Gericht verbietet Freifunknetz Fon: Höchste Zeit, dass DSL-Anbieter selbst private Hotspots fördern (2. Update)
08. Juli 2009 - Jürgen Vielmeier
Das Oberlandesgericht Köln hat die Öffnung privater DSL-Anschlüsse für das Netzwerk Fon für rechtswidrig erklärt. Das Urteil könnte das Aus für das freie Hotspot-Netz bedeuten – und ambitionierten Plänen des Mobilfunkers E-Plus einen dicken Strich durch die Rechnung machen. Als Ersatz sollten die DSL-Anbieter selbst in die Bresche springen.
Klage eines DSL-Anbieters erfolgreich
Vor dem Gericht hatte ein namentlich leider nicht genannter DSL-Provider geklagt. (Update, 10.7. 09:38 Uhr: Laut dpa ist der Kläger offenbar der DSL-Reseller 1&1.) Einer seiner Kunden hatte seinen DSL-Anschuss über einen WLAN-Router dem Fon-Netzwerk zur Verfügung gestellt. Der DSL-Provider beklagte, dadurch entstünde ihm zusätzlicher Datenverkehr ohne Mehreinnahmen, während andere damit Gewinne machten.
Genau das ist das Geschäftsmodell Fons: Private DSL-Nutzer stellen ihren Anschluss, der vielleicht von der Deutschen Telekom oder Alice geschaltet wird, per WLAN-Router anderen zur Verfügung und erschaffen damit einen Hotspot. Das Prinzip eignet sich besonders gut für Reisende, die in fremden Städten ins Internet gehen wollen, dazu aber keine Möglichkeit finden. Wer selbst Mitglied der Fon-Netzwerkes wird und seine Bandbreite zur Verfügung stellt, kann europaweit kostenlos über Fon-Hotspots surfen.

Geld verdienen auf Kosten der DSL-Anbieter
Wer seinen DSL-Anschluss nicht zur Verfügung stellt, kann trotzdem andere Fon-Hotspots nutzen – indem er den Anbietern dafür Gebühren zahlt. Fon wirbt auf seiner Website ganz offen damit, dass Nutzer mit ihren DSL-Anschlüssen über Fon Geld verdienen können.
Allerdings auf Kosten anderer, genauer gesagt der DSL-Anbieter, die dafür keinen Cent sehen. Besonders sauer dürfte ihnen aufgestoßen sein, dass E-Plus sich kürzlich der Fon-Initiative angeschlossen hatte. E-Plus, der einzige Mobilnetzanbieter, der kein eigenes Festnetz betreibt, wollte damit zum Parasit der Konkurrenz werden. Die Mitbewerber von Telekom/T-Mobile, Vodafone/Arcor, Telefónica-O2 und anderen sollten die Bandbreite dafür zur Verfügung stellen, damit E-Plus-Kunden ein engmaschiges Hotspot-Netz nutzen können.
DSL-Provider sollten nun selbst private Hotspot-Netze fördern
Klar, dass das einigen nicht gefallen haben dürfte. Nun ist das Aus der Fon-Initiative in Deutschland wahrscheinlich, und auch für den Freifunk könnte es das Ende bedeuten. Das wäre angesichts des nützlichen freien Hotspot-Gedankens eigentlich schade. Update, 16.40 Uhr: Das nicht-kommerzielle Freifunk-Netz ist von dem Gerichtsurteil nicht betroffen. Danke an dreieinhalb für den Hinweis!
Bleibt wohl als einziger Ausweg, dass die DSL-Anbieter endlich selbst auf die Idee kommen, die DSL-Anschlüsse ihrer Kunden als Hotspots zu öffnen. Das mag auf den ersten Blick utopisch und absurd erscheinen. Aber nichts wäre für die DSL-Anbieter eigentlich idealer: So kann man ohne große Mehrkosten ein recht umspannendes Netz für die Kunden schaffen. Damit sich keine Nicht-Kunden daran hängen, könnte man Fremdnutzer ausschließen, oder dafür zahlen lassen. Kooperiert man dabei mit den Mitbewerbern, könnte ein engmaschiges Netz geschaffen werden. Und alles, was die DSL-Anbieter dafür tun müssten, ist, ihre Kunden mit Preisnachlässen dazu zu bewegen, ihre Anschlüsse anderen zur Verfügung zu stellen.
Angesichts einer Breitbandauslastung von mittlerweile über 70 Prozent in Deutschland müsste zumindest in Städten ein Überall-Internet keine Utopie bleiben. Und es wäre eigentlich an der Zeit, dass die Anbieter, die zunehmend DSL und Mobile Web gleichzeitig anbieten, etwas gegen die noch viel zu großen Lücken unternehmen. Die Chance ist jetzt da, auch wenn Fon, die Initatoren der Idee, wohl nicht mehr viel davon haben werden.
Update, 16.40 Uhr: Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Fon hat angekündigt beim Bundesgerichtshof (BGH) in Revision zu gehen. Nach Meinung des Unternehmens betrifft das Verfahren nur das Verhältnis zwischen Fon und dem Kläger. Selbst bei einer Bestätigung des Urteils durch den BGH würde Fon damit nicht illegal werden.






















Ich bezahle als Anschlussbetreiber gutes Geld für den DSL-Anschluss und das Recht, darüber so viele Daten auszutauschen wie ich möchte. Wieso will mein Provider mir vorschreiben, was ich mit diesem Anschluss mache?
[...] http://freshzweinull.de/2009/07/gericht-verbietet-freifunknetz-fon-hochste-zeit-dass-dsl-anbieter-s... [...]
@Arno, es würde mich wundern, wenn in deinem Vertrag, der regelt, wofür du gutes Geld bezahlst und wozu du überhaupt ein Recht hast, nicht eine Klausel drin stünde, ob und mit wem du die Verbindung teilen darfst und wozu sie genutzt werden kann oder auch nicht.
Dass den Providern keine Mehrkosten entstünden, wenn sie selbst so etwas anböten, stimmt nicht. Der Datenverkehr nähme zu, und dadurch entstünden Mehrkosten.
Leider habe ich bisher keine Zahl gesehen, mit der ein Anbieter die Auswirkung von geteilten Anschlüssen quantifiziert hätte.
Der Artikel vermischt leider die nicht kommerzielle Freifunk Initiative mit dem FON-Netzwerk. FON ist ein internationales Unternehmen, das gewinnorientiert arbeiten muss – Freifunk eine Initiative von Freiwilligen, die ihr W-Lan kostenlos teilen wollen. Ein Ende für FON in Deutschland bedeutet noch lange nicht das Ende für Freifunk.
Das Urteil des OLG Köln bezieht sich nur auf FON und weitere kommerzielle Anbieter – nicht aber auf Freifunk:
“Nichtkommerzielle Formen der Vermittlung kabelloser Internetzugänge an Dritte ohne eigenen DSL-Zugang sind nicht Gegenstand des Rechtsstreits.”
Das Freifunk-Netz unterscheidet sich außerdem in einem weiteren entscheidenden Punkt zum FON-Netzwerk: Die Router arbeiten in dem Adhoc-Modus und können sich so untereinander “unterhalten” (WLAN-Mesh). Das FON-Netzwerk basiert auf dem klassischen Server-/Clientmodell (Infrastructure-Mode).
Das Urteil ist übrigens noch nicht rechtskräftig und FON hat bereits Revision eingelegt.
Nächste Mal bitte genauer recherchieren.
Gruß
Dominik
@arno
privat nutzen darfst du ihn natürlich, aber du darfst damit kein geld verdienen, sollte klar sein – oder?
@Arno
weil FON damit abkassiert ohne das sie beim Provider etwas dafür zahlen müssen.
Finde das ganze eh unnütz, es gibt viel zuwenig FON Hotspots als das man sich darauf verlassen könnte und durch immer günstigere mobile-Datentarife wird das ganze in wenigen Jahren eh obsolet sein.
[...] http://freshzweinull.de/2009/07/gericht-verbietet-freifunknetz-fon-hochste-zeit-dass-dsl-anbieter-s... [...]
[...] (via freshzweinull) [...]
Wir möchten darauf hinweisen, dass dieses Urteil in keiner Weise bedeutet, dass FON oder die Nutzung und Bereitstellung von FON in Deutschland für die User illegal ist: http://blog.fon.com/de/archive/business/klarstellung-fon-ist-nicht-illegal-in-deutschland.html
FON hat uns also angeschwindelt, denn sie haben anfangs steif und fest behauptet von 2EUR einnahme für 24 Stunden gehen 1 EUR an den BIll 50 Cent an FON für die Infrastruktur und 50 Cent an den Netzbetreiber. davon ist jetzt auch vor gericht wohl keine Rede mehr. Und wer der betreiber ist das kann man mühelos aus der IP auslesen. varsavksy hat es da mit der wahrheit – wieder einmal – nicht so ernst genommen. den preis dafür muss fon jetzt mit dem deutschen zusammenbruch zahlen und das ist nur mehr billig und gerecht
[...] sieht auch Adrian Schneider von Telemedicus so. Dass teilweise getitelt wurde “OLG Köln verbietet Freifunknetz Fon” ist eine Vermischung von Freifunk und FON, mehr [...]
[...] zum Gedanken freier WLANs. Zürcher, passt auf eure Nachbarn auf! So werden wir wohl außer über Fon und Freifunk erst einmal kein freies Reise-WLAN für alle bekommen. Die Polizei hat dem 38-Jährigen übrigens [...]