Apple und AT&T machen sich Feinde: Lassen Google Voice nicht aufs iPhone

Langsam steigt der Frust: Apple hat Googles “Voice”-Anwendung aus dem App Store verbannt. Berichten zufolge geschah das auf Drängen von AT&T, dem Exklusiv-Vermarkter des iPhones in den USA. Es ist der zweite PR-Gau für den Mobilfunkbetreiber innerhalb weniger Tage, und er wirft ein zunehmend dunkles Licht auf Apple.

Angst vor Google Voice

Die US-Techblogs sind sich selten einig, aber wenn, dann sprechen sie praktisch mit einer Stimme: Das iPhone ist ein tolles Produkt, Palm Pre und Hulu ebenfalls. Neueste Killeranwendung: Google Voice, ein Ansatz, mit dem Google Internet-Telefonie zum Wohl der Menschheit verändern könnte, wie Jason Kincaid von Techcrunch schreibt.

Apple hatte in der Vergangenheit zahlreiche Apps aus unterschiedlichsten – oft auch fadenscheinigen Gründen – nicht in den App Store gelassen. Diesmal ist es etwas anderes, schreibt Stan Schroeder von Mashable: Apple und AT&T lassen Google Voice deswegen nicht aufs iPhone oder den iPod touch, weil sie ganz einfach Angst davor haben.

Google Voice: Cleverer Telefon-Client

Google Voice ist zur Zeit nur auf Einladung zugänglich. Google gibt den Voice-Nutzern eine weltweit eindeutige Rufnummer, die alle persönlichen Nummern wie Festnetz, Handy oder Büronummer zusammenfasst. Als Teilnehmer kann man selbst entscheiden, bei welchem Anruf welcher Anschluss klingen soll. Freunde, die anrufen, müssen sich nicht mehr entscheiden, ob sie die Festnetz- oder Mobilnummer wählen sollen. Sie rufen einfach die Google-Nummer an und erreichen den Gesprächspartner auf die Weise, die er für den Anrufer eingerichtet hat. Auch SMS lassen sich über Google Voice kostenlos verschicken. Alles in allem gar keine schlechte Sache.

Google Voice

Aus Angst vor dem Rivalen auf die Bremse treten

Und diese App soll nun nicht aufs iPhone, weil AT&T ganz einfach Angst davor hat. Angst, dass Google Voice besser sein und dass man dadurch Umsätze durch Gesprächsminuten verlieren könnte. Das ist also die Antwort darauf, wenn jemand anders besser ist? Nicht versuchen, selber innovativ zu werden, sondern gute Ideen der Anderen lieber ausbremsen?

Nein, mit solchen Praktiken wird AT&T auf absehbare Zeit keine Freunde mehr gewinnen. Es ist ja schließlich nicht so, als gäb es bei dem zweitgrößten US-Mobilfunkanbieter nichts anderes zu kritisieren: Bei den iPhone-Nutzern in den USA erhöht sich der Unmut über das offenbar heillos überlastete, anfällige Netz von AT&T. Es ist in Spitzenzeiten langsam oder fällt zuweilen ganz aus. Voicemails wurden Anfang Juli zwei Wochen lang nicht zugestellt, ohne dass das Unternehmen es für nötig hielt, seine Kunden über die Panne zu informieren.

Wie lange ist AT&T noch tragbar?

Dass AT&T nun einen Keil zwischen Apple und Google treiben will, erbost die iPhone-Nutzer um so mehr. Von einer offenen Plattform könne beim App Store nun definitiv nicht mehr die Rede sein, beklagt sich Schroeder. Dass Apple und AT&T den App Store als ihre eigene Spielwiese betrachten, sei ihr gutes Recht. Aber dann dürften sich beide nicht wundern, wenn die Kunden in Zukunft lieber woanders spielen.

Apple sollte sich gut überlegen, wie lange man noch an AT&T als Exklusivanbieter festhalten will. Ebenso wie an der wahnwitzigen Idee, das iPhone in vielen Ländern – wie Deutschland – überhaupt nur von einem Anbieter zu verkaufen. Oder die Geräte mit einem SIM- und einem Netlock zu belegen, der selbst über die Vertragslaufzeit hinausgeht. Im Moment stimmen die Verkaufszahlen von iPhone und iPod touch noch, aber die Konkurrenz liegt nicht mehr weit zurück. Und wenn mögliche iPhone-Fans noch lange durch hohe Preise und schlechte Konditionen ausgeschlossen werden, dann werden sie bald davon laufen – scharenweise.

3 Gedanken zu „Apple und AT&T machen sich Feinde: Lassen Google Voice nicht aufs iPhone“

  1. Das glaube ich nicht. Es wird ja nicht schlimmer, sondern bleibt einfach nur genauso schlimm wie von Anfang an – und trotzdem rennen die Kunden Apple die Bude ein. Irgendwann wird sich das vielleicht ändern. Irgendwann. :-)

  2. Also wenn da mal nicht reihenweise alle Generalvertreiber protestiert haben. Also nicht nur AT&T sondern auch der Magenta-Konzern aus D.-Land.

    Im übrigen ist der Schreibstil für jemanden, der denkt es gibt “fahnenscheidige Gründe” nicht schlecht.

  3. @Chris: An dem Wort kam mir doch gleich etwas komisch vor. ;)
    Auf jeden Fall danke für das Kompliment – sofern es eins war … :)

Kommentare sind geschlossen.