Anbieter-Bindung des iPhones sorgt für Ärger: Apple unter Druck

Freunde des mobilen Internets kritisieren zunehmend die Bindung interessanter Geräte – vornehmlich Apples iPhone – an einen Mobilfunkanbieter. Der Protest richtet sich gegen Mobilnetzbetreiber AT&T in den USA, aber auch hierzulande erhöht sich der Unmut gegen T-Mobile.

Mit einem Video hat der Filmcutter Pat Lee die iPhone-Anzeigen von Apple und AT&T aufs Korn genommen:

Netzauslastung von AT&T sorgt für massive Probleme in den USA

Er ist nicht der einzige, der sich beschwert. In den USA hat der Exklusivanbieter des iPhones, AT&T, seit jeher mit Problemen bei der Netzauslastung zu kämpfen. Statt die Sorgen der Kunden ernst zu nehmen und das Netz weiter aufzurüsten, hat der zweitgrößte Mobilfunkbetreiber der USA Problem weitestgehend ignoriert. Der Start des neuen iPhones 3GS mit zahlreichen Neukunden hat das Problem noch verschlimmert, weil die knappen Netzressourcen nun von noch mehr Kunden beansprucht werden. Das Fass zum Überlaufen brachte offenbar die Tatsache, dass AT&T gut zwei Wochen lang keine Mailbox-Nachrichten auslieferte und es auch nicht für nötig hielt, die Kunden über das Problem zu informieren.

Als Technikautor MG Siegler daraufhin seinem Ärger über AT&T Luft machte, stimmten gleich mehrere hundert Leser in den Kommentaren mit ein. Siegler rät unentschlossenen Käufern jetzt, auf jeden Fall mit dem Kauf eines iPhones zu warten. Vielleicht, so die Hoffnung der Menge, entschließt sich Apple, die exklusive Vertragsbindung mit AT&T aufzugeben und andere Provider an Bord zu lassen. Ein Schritt in diese Richtung dürften neue Gerüchte sein, dass Apple seinen geplanten Tablet-Mac von Verizon verkaufen lässt. Der AT&T-Konkurrent baut derzeit in den USA ein LTE-Netz für schnellere, mobile Datenübertragung auf, das schon im kommenden Jahr in Betrieb gehen könnte.

Simyos Unterschriftenaktion für bindungsfreie iPhones

Das klingt nach einer langsamen Abkehr von AT&T. Und doch scheint Apple an der Praxis festzuhalten, Geräte exklusiv an einen Mobilfunkanbieter zu koppeln. In Deutschland sieht es mit der Bindung des iPhones an T-Mobile ähnlich aus, wobei sich der Unmut vieler Nutzer weniger an den Netzkapazitäten der Bonner richtet, als an dessen hohe Preise. Seit zwei Jahren hat der größte Mobilfunkanbieter Deutschlands das iPhone jetzt im Programm, und doch hat sich an den Preisen seitdem nichts verändert. Am Net- und Simlock der Geräte ebenfalls nichts.

Noch ist nicht sicher, ob der Exklusivvertrag zwischen T-Mobile und Apple über dieses Jahr hinaus geht und ob dann andere Provider zum Zuge kommen könnten. Telefónica-O2 hatte Interesse bekundet, und der Mobilfunkdiscounter Simyo hat gar zu einer Unterschriftenaktion aufgerufen, um das iPhone bindungsfrei zu verkaufen. Mehr als 16.000 Menschen in Deutschland haben die Petition bereits unterschrieben, die Apple übergeben werden soll:

Free iPhones
Unterschriftenaktion von Simyo für bindungsfreie iPhones.

Die Konkurrenz wird nicht für immer zurückliegen

Für Deutschland dürfte Apple die Aktion wenig interessieren. Es gibt noch (!) immer kein Gadget der Konkurrenz, das dem iPhone gleichwertig wäre. Und anders als in den USA treten am T-Mobile-Netz nur selten Probleme auf. Drüben über dem großen Teich sieht es anders aus, wenn AT&T nicht einmal mehr in der Lage ist, bestehende Kunden mit ausreichend Kapazität zu versorgen.

So oder so gräbt sich Apple aber mit seiner Praxis, Geräte langfristig an einen Anbieter zu binden, selbst das Wasser ab. Viele Bekannte, mit denen ich in letzter Zeit sprach, scheuen die hohen Kosten eines iPhone-Vertrags und schauen sich deswegen bei der Konkurrenz um, obwohl sie das iPhone mögen. T-Mobile sorgt mit seiner Preispolitik also dafür, dass Apple Umsätze durch die Lappen gehen. Der Grund, warum Apple freiwillig auf satte Einnahmen verzichtet, entschließt sich mir nicht: Eine Exklusiv-Partnerschaft mag für die Kalifornier zu Zeiten des ersten iPhones vor zwei Jahren noch lukrativ gewesen sein. Heute haben solche Verträge für Apple und für die Kunden nur noch Nachteile. Die einzigen, die davon profitieren, sind die Netzanbieter.

Apple sollte also gewarnt sein: Die anderen Hersteller werden nicht für immer hinterher hinken.

7 Gedanken zu „Anbieter-Bindung des iPhones sorgt für Ärger: Apple unter Druck“

  1. Auch ich bin wieder weg vom iPhone.

    Ich selbst besitze noch das Original-iPhone der ersten Generation. Die Geschwindigkeit von Edge scheint mir nun nicht mehr zeitgemäß und ich sehe keinen Grund, meinen teuren Vertrag bei T-Mobile zu verlängern.
    Zwar sind die Leistungen bisweilen solide und flächendeckend, aber Kokurrenzprodukte mit mobilen Datenflatrates find man nun wie Sand am Meer und noch dazu viel günstiger.

    Da mich einige Schwächen des iPhones im Alltag zu sehr gestört haben, habe ich mir direkt ein anderes Handy zugelegt und lasse nun auch den Vertrag auslaufen.

    Auch viele meiner Kollegen schrecken vor dem Kauf, wegen der langen und kostspieligen Vertragslaufzeit zurück.

  2. Ja, es ist schon enorm ärgerlich, sich wegen des iPhones mit dem rosa Riesen rumärgern zu müssen, wobei, wie der Artikel ja auch nahelegt, wir was Serviceverfügbarkeit angeht ja noch keinen Grund zur Klage haben. Gut, wo ich herkomme (ein klein wenig ländlicher) ist nicht immer 3G verfügbar, aber aus meinem Bekanntenkreis mit anderen Anbietern haben einige teilweise nichtmal überhaupt Mobilfunknetz in dne umliegenden Ortschaften. Etwas, dass mir bisher noch gar nicht untergekommen ist.
    Ist zu hoffen, dass T-Mobile die Preise ein wenig mäßigt (auch eine Ergänzung der inklusiven Nachrichten um einige freie MMS wäre mal erwägenswert).

  3. Weiss jemand wie das mit den Iphones der ersten Generation ist, von denen ja nun unendlich viele in Schubladen lagern? Also sind die, obwohl der 2 Jahres Vertrag ausgelaufen ist immer noch an T-Mobile gebunden oder sind die nun Simlock-frei?

  4. @Jürgen Vielmeier:

    Lieber Jürgen
    Ist ein guter Artikel, aber wir haben da noch ein paar kleine Ergänzungen zu dem Thema, die vielleicht interessant sein könnten:

    - Es sind nicht nur die Netzanbieter, die am iPhone Vertrag verdienen!
    Apple bekommt ja pro Vertrag pro Monat noch eine gewisse Marge ab, daher sind
    die natürlich bestrebt das die Kunden das iPhone ohne Vertrag nicht erwerben.

    - Und es werden in Deutschland sehr wohl iPhones, ab werk unlocked, vertrieben (wir sind ja einer der Marktführer). Möglich ist das durch den
    Import aus der EU-Zone (nicht aus den USA, wäre verbotener Paralellimport!)
    von freien Geräten. Grund: Innereuropäischer Warenverkehr darf nicht verhindert werden, da greifen keine Absprachen von Apple und T-Mobile wenn das Gerät als “EU Ware” angeboten wird!!

    @Sven:
    iPhones der ersten Generation sind IMMER per Software-Unlock freischaltbar (das iPhoneDEV Team hat da eine Schwachstelle in der Hardware entdeckt -> blog.iphone-dev.org); ansonsten halt an T-Mobile wenden, wir glauben aber nicht das die iPhones 2G nicht von denen entsperrt werden…

    Als denn, freundliche Grüsse aus München

    Euer Team Buyplanet
    http://www.buyplanet.de

  5. Es ist einfach sehr ärgerlich für die Endverbraucher, dass sie sich in Deutschland ein iPhone mit T-Mobile Vertrag kaufen müssen um alle Funktionen des Smartphones nutzen zu können. Im Gegenzug dazu werden in Deutschland immer mehr iPhones mit Jailbreak freigeschaltet und verlieren die Garantie. Abgesehen davon sind dadurch viele Dinge mit dem Smartphone möglich die es von Werk aus nicht sind. Apple schneidet sich zum Teil also selbst ins Bein durch die Anbieter-Bindung :(

  6. ist doch völliger quatsch. Seit 2008 verkauft der http://www.3gstore.de ebenfalls iPhones, sogar simlockfrei und ohne Vertrag. Gegen diese irreführende Werbung (tmobile = exklusiver iphone händler) geht 3gstore.de sogar mittels einer Abmahnung vor (via financial times deutschland)

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