Wordnik: Alle Wörter und jegliche dazugehörige Information

Dem Deutschen wird gerne nachgesagt, dass es eine komplizierte Sprache sei. Meinetwegen. Was die Grammatik angeht. Aber wer sie einmal mit der Muttermilch aufgesogen hat, der kann sie. Und was die Wörter betrifft, so haben wir es meiner Meinung sehr viel besser getroffen als beispielsweise Englischsprecher.

Deutsche Muttersprachler müssen nämlich kaum je zum Wörterbuch greifen, um beispielsweise eine Zeitung zu lesen oder ein Buch, von Fachbegriffen oder Fremdwörtern vielleicht einmal abgesehen. Apropos Fremdwort: Kennt jemand das Fremdwort für Fremdwort? Nein? Eben. Brauchen wir nicht. Unsere Wörter sind ehrlich und direkt. Schlagzeug. Schleimhaut. Brustwarze: Lauter wunderbare, weil sich selbst erklärende Wörter.

Englischsprecher haben es da deutlich schwerer. Sie stolpern öfters mal über ein Wort, deren Sinn sich Ihnen nicht sogleich erschließt und das liegt NICHT daran, dass sie in irgendeiner Form minder bemittelt wären als wir. Allein schon die schiere Menge ihres Wortschatzes im Vergleich zu unserem! Die ganzen Anleihen aus anderen Sprachen! Die Soziolekte! Diese Australier!

Mehr Interaktion

Kein Wunder, dass es ausgerechnet ein englischsprachiges Projekt ist, welches sich zum Ziel erklärt hat, „alle Wörter und jegliche dazugehörige Information“ zu erfassen. Wordnik.com: denn wer das Problem hat, sucht auch nach einer Lösung.

Also flugs getestet, ob das Produkt hält, was die Werbung verspricht:

Erster Punkt – „alle Wörter“ meint offensichtlich „alle Wörter mit Ausnahme solcher, die zu anderen Sprachen als Englisch gehören.

Zweiter Punkt – jegliche dazugehörige Information. Damit sind erst einmal (wir befinden uns – natürlich – noch im Betastadium) typische Informationen wie Wortart, phonetische Schreibweise, Etymologie und natürlich eine möglichst knappe Definition gemeint. Gibt es alles schon und zwar in teilweise verstreuter, insgesamt aber recht brauchbarer Form. Deshalb setzen die Betreiber auf den

Anderswo fündig werden

Dritten Punkt – die Verschränkung mit Web 2.0-Inhalten. Das könnte interessant sein. Fotos, von Flickr gesaugt, eine sehr schöne Funktion. Tweets – nun ja, naturgemäß etwas unpräzise. Ansonsten kommt da leider nicht mehr viel. Was schade ist. Denn wie gesagt: Wer wissen will, was ein Wort bedeutet, ist bislang z.B. hier, hier, oft auch hier oder natürlich hier eigentlich noch immer fündig geworden.

Vierter Punkt – daher ist es wünschenswert, dass noch viel mehr Mashup auf Wordnik betrieben wird. Und dass, auch wenn es wirklich bei jedem 2.0-Dingens gesagt wird, die Nutzer rege mitmachen.

Das hier finde ich übrigens eher peinlich. Allein schon dieses dümmliche „Hä??“.