Personenschutz oder Zensur? Wikipedia hält Informationen über entführten US-Reporter zurück

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales selbst war an der Verschwörung beteiligt: Als “New York Times”-Reporter David Rohde im November letzten Jahres in Afghanisten von Taliban entführt wurde, entschied sich die Leitung der Zeitung zu einer ungewöhnlichen Maßnahme: Sie bat 35 andere Redaktionen und die Online-Enzyklopädie Wikipedia um eine Art Selbstzensur zum Schutze Rohdes: Informationen über den Reporter sollten zurückgehalten oder entschärft werden. Nachdem Rohde seit kurzem wieder frei und der Fall an die Öffentlichkeit gelangt ist, gibt es hitzige Diskussionen in der Wikipedia.

Vielen Kommentatoren geht es dabei um die Verhältnismäßigkeit: Dürfen Nutzer der freien Enzyklopädie dazu gezwungen werden, Informationen zurückzuhalten? Das käme einer Zensur gleich. Jimmy Wales und viele anderen Autoren bemühten sich, Informationen über Rohdes Entführung zurückzuhalten. Die Informationen, dass der Reporter zweifacher Pulitzerpreis-Träger ist und für christliche Medien gearbeitet hatte, wurden zu Rohdes Sicherheit vorübergehend entfernt.

Besonders schwer war der Umgang mit einem Autor aus Florida, der immer wieder versuchte, Infos über Rohde bei Wikipedia einzustellen. Da er als anonymer Autor keine Kontaktdaten angegeben hatte, war es Wikipedia nicht möglich ihn zu kontaktieren, um ihm die Gründe für das Vorgehen zu erklären.

[ad#Adsense-Banner]

Frank Patalong von Spiegel Online findet, dass die Maßnahmen notwendig waren, um einen Menschen zu schützen und Medien Verantwortung übernehmen können und auch müssen. Aber rechtfertigt das Änderungen in den Einträgen eines Lexikons? Eine Frage, die nicht so leicht beantwortet werden kann.

3 Gedanken zu „Personenschutz oder Zensur? Wikipedia hält Informationen über entführten US-Reporter zurück“

  1. Ganz klaar das der Schutz des Mannes über der Informationsfreiheit steht. Ich würd es jedenfals nicht wollen, dass man als christ geoutet wird, wenn man bei den Taliban gefangen ist.

  2. zensur an sich ist ja kein absolutes tabu, das um jeden preis umgangen werden muß. auch in deutschland gibt es zensur seit langem, und das ist auch gut so. ansonsten wären unserer schülerzeitungen voll rechtsradikaler propaganda und pornographie…

    in dem konkreten fall, sind es vor allem die verletzten eitelkeiten, dass nicht alle gefragt worden sind, die jetzt zu den erhitzten diskussionen führen. wäre der mann aus florida erreicht worden, und hätte er sich die argumente angehört, hätte er möglicherweise auch zugestimmt.

Kommentare sind geschlossen.