Opera will mit “Unite” das Web verändern, wird aber erst einmal boykottiert

Immer auf die Kleinen: Eine Gruppe von Microsoft-Fans (so etwas gibt es?) hat dazu aufgerufen, den Browser Opera zu boykottieren. Hintergrund ist die freiwillige Entscheidung Microsofts, das neue Betriebssystem Windows 7 in Europa ohne einen Browser auszuliefern. Microsoft musste sich für die Kopplung von Windows und den Internet Explorer vor der Europäischen Kommission verantworten, ein Verfahren, das nach einer Beschwerde von Opera überhaupt erst ins Rollen kam. Mozilla (Firefox) und Google (Chrome) haben sich der Beschwerde zwar angeschlossen, sie stellen bisher aber keine Forderungen und verhalten sich auffällig ruhig.

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Zu dem Boykott hat das britische Blog JCXP aufgerufen. Man habe nichts gegen den Opera-Browser, schreibt Beschwerdeführer David Taraso. Er sei nur mit dem Vorgehen von Opera nicht einverstanden. Den eigenen Marktanteil dadurch zu erhöhen, dass man Microsoft zwinge, Opera neben anderen Browsern in Windows vorzuinstallieren, sei der falsche Weg. Der Aufruf, Opera zu boykottieren, scheint mir allerdings müßig, denn die überwältigende Mehrheit der Webnutzer tut das – ob aus böser Absicht oder nicht – ohnehin schon seit Jahren: Der norwegische Exoten-Browser hatte laut Net Applications im Mai einen Marktanteil von 0,72 Prozent. Selbst der Netscape-Browser, der seit Jahren nicht weiterentwickelt wird, platziert sich mit 0,74 Prozent damit noch vor Opera.

Opera Unite: Interessanter Ansatz aber nicht ganz zu Ende gedacht

Opera Unite
Funktionen von Opera Unite: Viel alt Bekanntes, aber mit neuem Ansatz

Apropos Opera: Seit einigen Tagen kündigte das Unternehmen in Anzeigen an, das Web neu erfinden zu wollen. Heute ist es damit wohl so weit: Die Norweger stellen “Opera Unite” vor, eine Zusammenstellung aus Social-Network-Diensten, die – anders als Twitter, Flickr und Co. – direkt auf dem Rechner des Nutzers laufen sollen. Die Daten befinden sich damit nicht mehr auf den Servern von Google, Twitter, Yahoo und Co.

Dafür allerdings indirekt auf den Servern von Opera, denn Opera Unite funktioniert als Instanz von Opera 10 nur über einen Proxy-Server, der mit Opera Kontakt aufnimmt und den eigenen Rechner darüber mit anderen Usern vernetzt. Das klingt – bei allem Respekt für Operas Innovationsgeschick – nicht ganz zu Ende gedacht.

Unite wird wohl in der Nische bleiben – wie Opera selbst auch

Der Ansatz ist gut. Es wäre das Gegenteil des inzwischen immer häufiger angezweifelten Trends Cloud Computing. Die Idee dahinter, den Großkonzernen unsere Daten wieder wegzunehmen und bei uns selbst zu hosten, klingt vernünftig. Die Dienste wie “File Sharing” und “Fridge” klingen zwar chic, sind aber alles keine Neuentwicklungen, wie es sie im Netz nicht schon zahlreich gäbe. So gibt es einen Media Player, mit dem man seine persönliche Musiksammlung von jedem beliebigen Ort der Welt aus abspielen kann. Natürlich nur, wenn man an diesem beliebigen Ort der Welt gerade Opera zur Verfügung hat. Und das ist – wie Ihr gerade gelesen habt – nur bei 0,72 Prozent der Rechner der Fall.

5 Gedanken zu „Opera will mit “Unite” das Web verändern, wird aber erst einmal boykottiert“

  1. Ich bin damals (4.x) vom IE zu Opera gewechselt, bin kwasi mit Opera aufgewachsen. Die Jungs haben den Webbrowser revolutioniert! Das Tabbed-Browsing zwar nicht erfunden, aber populär gemacht, wie man an Mozilla/Chrome und nun auch IE sehen kann.

    Und immer noch ist Opera die Nummer 1 für mich.
    Firefox hat den großen Vorteil mit seinem Pluginsystem, doch immernoch bedeutend zu langsam. Wer wie ich mit über 100 Tabs unterwegs ist, wird sich dies schnell eingestehen. Das schafft nur Opera.

    Den IE muss ich teilweise auf Arbeit noch nutzen, da es viele Seiten gibt die ausschließlich für den IE geschrieben wurden. Und hier liegt auch der Hase begraben.
    Da Windows jahre lang nur den IE ausgeliefert hat und Systemadministratoren sich nicht immer die Mühe machen parallel auch andere Browser zu installieren, wird in großen Firmen zu 90% mit dem IE gearbeitet.

    Das neue ‘Tool’ ist in meinen Augen etwas unsinnig.
    Wenn, dann wird es nur von Leuten benutzt welche in so einem Dienst einen Sinn sehen und das werden nicht viele sein.

    Opera sollte sich lieber auf dem Mobilenmarkt die Plätze sichern.
    Im Moment läuft das noch sehr gut, da die meisten Handys/PPCs/Smartphones mit diesem ausgeliefert werden. Aber auch dort gibt es einige Browser die schon Vorteile mitbringen (Skyfire mit integrierter Flashunterstützung) (Iris hervorragend für PPCs)

    Auch Mozilla ist im Vormarsch, dieser wird zwar noch etwas dauern, doch Fennec steht bereits in den Kinderstifeln!

    In diesem Sinne ..
    Ich kann Opera nur jedem empfehlen und den IE aus Sicherheitstechnischersicht abraten ;)

  2. Nur die Standard Applikationen liegen auf dem Opera Server die Applikationen von Usern sind auf deren PCs soweit ich weiß.

  3. Dieser Media Player heisst JukeBox und er funktioniert so jeder stellt 10 songs seiner wahl rein diese werden dann zufällig abgespielt. Also eine Art Webradio

    und Opera hat geschrieben das die Services nicht neu sind aber User können völlig neue Entwickeln.

  4. Herr Vielmeier :-)

    Wenn man einen Artikel schreibt sollte man vorher ordentlich recherge betreiben, opera muss nur auf dem Host laufen. Die Anwendungen von Unite (mediaplayer etc.) können in jedem Browser aufgerufen werden

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