Nordkorea twittert: “Die Marionetten im Süden fördern den Nuklearkrieg” (Update)

Heute zwei Meldungen aus der “Hightechnation” Nordkorea. Nachrichten des nach außen hin abgeschotteten Landes unter der Herrschaft von Kim Jong-Il sind seit geraumer Zeit auf Twitter zu finden. Außerdem: Immerhin 19.000 Nordkoreaner nutzen inzwischen 3G-Mobilfunk.

Hinter @kcna_dprk steht die nordkoreanische Nachrichtenagentur Korean Central News Agency (KCNA), die – von Japan geduldet – von Tokio aus operiert und Meldungen des Regimes auf Englisch und teilweise auf Spanisch im Internet verbreitet. Das übrigens schon seit 1997. In Japan aktiv ist die KCNA seit 1948.

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Bei dem Twitter-Account handelt es sich um eine bloße Zweitveröffentlichung der Überschriften der Nachrichtenagentur. Dass die Agentur selbst hinter dem Twitter-Account steht, ist zwar nicht bestätigt, aber auch nicht unwahrscheinlich. Links verkürzen derjenige oder diejenigen, die hinter dem Twitter-Account stehen, mit dem standardmäßig von Twitter verwendeten Dienst Bit.ly.

Update, 12.31 Uhr: Hinter dem Twitter-Account steht offenbar der österreichische Journalist David Sowka, der außerdem Webmaster des Satire-Wikis Stupidedia.org ist. Neben uns sind ihm auch zahlreiche andere Medien weltweit aufgesessen. Welche Wellen seine Geschichte schlug, beschreibt er auf Telepolis. Nordkorea selbst zwitschert also nicht. Es sieht aber so aus, dass bei @KCNA_DPRK derzeit trotzdem nichts anderes veröffentlicht wird, als Artikel der KCNA, die wir im Folgenden kurz beschreiben. Danke an Moe für die Aufklärung!

19.000 schnelle Mobilfunkanschlüsse

Der Inhalt der Meldungen ist erwartungsgemäß stark propagandistisch. Regelmäßig werden Regierungsvertreter Südkoreas als “Marionetten” der USA bezeichnet. Südkoreas Präsident Lee Myung Bak wird gerne “Kriegstreiber” genannt. Kjeld Duits hat die Rhetorik der Nachrichtenagentur kürzlich in einem Artikel analysiert und sie in eine Art Baukastensystem aufgeschlüsselt.

Dass KCNA twittert, bedeutet natürlich nicht, dass irgendjemand in Nordkorea das darf. Das in Nordkorea stark reglementierte Internet steht nur sehr wenigen Regierungsvertretern zur Verfügung. Immerhin: Rund 19.200 Nordkoreaner haben seit Dezember 2008 einen 3G-Mobilfunkvertrag abgeschlossen. Das gab der ägyptische Mobilfunkbetreiber Orascom bekannt, der das Netz in Nordkorea aufgebaut hat. Networkworld liefert weitere interessante Zahlen dazu: Umgerechnet 312.000 US-Dollar operativen Gewinn hat der Betreiber Koryolink im ersten Quartal durch Mobilfunkabschlüsse eingenommen. 4,4 Millionen US-Dollar soll der Umsatz betragen haben. Orascom hält 75 Prozent der Anteile an Koryolinks Betreibergesellschaft Cheo Technology; die staatliche Post und Telekommunikation Nordkoreas hält die übrigen 25 Prozent.

Offiziell steht das 3G-Mobilfunknetz allen Nordkoreanern zur Verfügung. Tatsächlich wird sich das bis auf hohe Regierungsmitarbeiter weder jemand leisten können noch tatsächlich dürfen.


 
 
 
 

2 Kommentare zu “Nordkorea twittert: “Die Marionetten im Süden fördern den Nuklearkrieg” (Update)”

  1. Moe - 29. Juni 2009 um 12:21

    Und wem der Account wirklich gehört konnte man vor ein paar Wochen hier lesen: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30517/1.html

  2. Redaktion - 29. Juni 2009 um 12:38

    Danke! Das haben wir dann wohl überlesen… Hab’s korrigiert!

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