Talkrunde der Internetphobiker bei Plasberg: Hart, aber Thema verfehlt

“Sind wir alle Boris? Die neue Sucht nach Öffentlichkeit”, so titelte die aktuelle Ausgabe von “Hart aber fair“. In der Ankündigung zur Sendung war bereits zu lesen, dass es auch um die Inszenierung der Menschen im Internet gehen würde, wobei schon die Fragestellung selbst unsinnig erscheint, denn was ist an der “Sucht” wirklich neu? Der Bogen sollte von der Öffentlichkeit von Prominenten wie Boris Becker zum “Alltag im Internet” gespannt werden. Dafür hatte sich Moderator Frank Plasberg eine illustre Gästerunde eingeladen.

Diese bestand aus Prominenten wie Alfred Biolek (ehemaliger TV-Moderator), Gerhart Baum (Ex-Bundesinnenminister) sowie Gülcan Kamps (Viva-Moderatorin), der Journalistin und inzwischen Bloggerin Beate Wedekind (ehemalige Bunte-Chefredakteurin) und Markus Berger-de León (CEO StudiVZ); fachlich ergänzt um den Experten Professor Hendrik Speck (Dozent für Informatik/Interaktive Medien). Nachdem das Thema Öffentlichkeit und Prominente abgearbeitet war, begann sich nach rund 30 Minuten die Diskussion in den Bereich Öffentlichkeit im Internet zu verlagern.

Böses Internet

Es dauerte auch nicht lange, dann wurden die ersten Fotos von betrunkenen Jugendlichen gezeigt, die “niemand an einer Pinnwand öffentlich machen würde, [...] aber im Internet passiert genau das”, wie Plasberg kommentierte und damit der Sendung eine eindeutige Richtung vorgab: böses Internet, böse Social-Network-Anbieter. Unterstützung suchte er sich beim “Experten” Prof. Speck und bekam sie unaufgefordert von Ex-Minister Baum, die gemeinsam vor allem Berger-de León angriffen. Dabei wurden der Umgang und Umgangston von Plasberg immer ruppiger und gipfelte mit schulmeisterlichen Zitaten wie “das ist hier keine Vorlesung” und „kriegen Sie doch mal die Zähne auseinander”.

Statt Erziehung zur Medienkompetenz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu verstehen, die von Eltern, Lehrern und auch Social-Network-Anbietern gleichermaßen geleistet werden muss, verstieg sich Plasberg ausschließlich auf Beispiele wie Komasauf-Bilder, die bei späteren Bewerbungsgesprächen schädlich sein können. Wie wenig er sich selbst offenbar mit sozialen Netzwerken auseinandergesetzt hat, zeigt die Bemerkung “das funktioniert nicht mal auf dem Kirchentag, was sie dort als Selbstregulierungskräfte anstoßen” auf die Erklärung von Berger-de León, der auf die Regulierung der User untereinander verwies.

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Den Gipfel erreichte “Hart aber fair” mit einer Zusammenstellung von Videos, in denen unter anderem ein badendes Baby zu sehen ist, anmoderiert mit Plasbergs Worten “aus der Serie: es gibt nichts, was es nicht gibt”. Damit wurde also noch das – auch zurzeit bei der Politik sehr beliebte Thema – Padophilie und Kinderpornografie aufgegriffen. Ein Autor im WDR-Gästebuch brachte es auf den Punkt: “Alte Männer reden über Dinge, von denen sie nichts verstehen und sind nach der Nennung von zwei Extrembeispielen tief betroffen”.

Was gibt es mehr zu sagen? Außer: Schade Herr Plasberg, Thema verfehlt, setzen!

6 Gedanken zu „Talkrunde der Internetphobiker bei Plasberg: Hart, aber Thema verfehlt“

  1. Ich habs gestern abend auch gesehen und es war fürchterlich, ich frag mich warum Studivz’s CEO eingeladen wurde, wenn sie ihn eh nicht ausreden lassen bzw. ihm nicht glauben.
    TV vs. Internet – das kann ja nicht gut gehen.

  2. Hallo Marc,

    schöner Beitrag! Ich war ebenfalls mehr als enttäuscht von dem vielversprechenden Titel der Talkshow. Ich habe gestern noch mit einem Redakteur der Sendung telefoniert, weil er Fotos von Betrunkenen gesucht hat.

    myON-ID, das Portal für Eigenmarketung und ein Kunde von Mavens, hat diese dann recherchiert und ihnen zur Verfügung gestellt (sie wurden auch gezeigt). Das Kommentar von Plasberg, während er die Fotos zeigte: “Sie stammen aus einer Agentur, die sich nur damit beschäftigt, solche Fotos aus dem Netz zu fischen.” Allerdings sind wir eine PR-Agentur und myON-ID hilft Internetznutzern, dass genau solche üblen Bilder nicht mit der eigenen Person in Verbindung gebracht werden. Das war dem Redakteur sehr wohl bekannt, ist aber wohl im “Sender-Empfänger-Prozess” bei Herrn Plasberg verloren gegangen ;)

    Thema “Personal Branding im Netz” auf jeden Fall verfehlt bzw. völlig falsch verstanden. Auch die vermeintlichen Experten zum Thema “Sucht nach Öffentlichkeit” waren unglücklich gewählt. Diejenigen Promis, die nicht “süchtig” danach sind, würden wohl auch niemals bei einer solchen Sendung zusagen.

    Insgesamt eher zusammenhangslos und ohne roten Faden. Schade eigentlich, denn das Thema ist mehr als spannend und bietet so viel “Stoff”, der nur richtig hätte recherchiert werden müssen.

  3. Mir fällt dazu nur das Zitat von Alfred Biolek, gestern in der Sendung, ein:

    “Ich habe eine E-Mailadresse. Wenn ich dann eine interessante Mail bekomme, leitet es jemand [Weiß leider nicht mehr, wer] es an meinen Redakteur weiter, er druck es aus und schickt es mir per Fax. Dann habe ich die E-Mail auch.”

  4. Ich kann mich an dieser Stelle nur mal wieder bei Euch bedanken, Ihr sprecht mir aus dem Herzen, das war schrecklich!!
    Aber ich habe Plasberg auch selten wesentlich besser gesehen, von daher…kein Wunder, dass er an einem solchen Thema kläglich scheitert!

  5. Ich hab nach 15 Minuten ausgeschaltet, weil schon der Anfang versprechen zu schien, was ihr hier bestätigt habt. Gut und tapfer von euch das ihr durchgehalten habt. Hab von Plasberg bis dato recht viel gehalten, aber wie ihr vermutlich schon geschrieben habt, ist er auch nur ein alter Mann. Schade.

  6. plasberg wird vom öffentlich rechtlichen sender bezahlt und im fernsehrrat “hinter den kulissen” sitzen politiker, und zwar solche von der cdu. er wird mind. 10 000 euro pro sendung bekommen und da lässt er dann vorwiegend die bürgerlichen parteipolitiker zu wort kommen. warum will das keiner merken? erst gestern konnten wir beobachten, wie oskar lafontaíne gemobbt wurde, indem er keine redzeit bekam, während ein koch aus hessen permanent seine neoliberalen phrasen zum besten geben konnte oder ein g. westerwelle…widerlich sowas, ich drehe bei plasberg jetzt immer ab. manipulation nein danke. linkspartei statt CDU-MOB

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