Die ersten Reisen ins Internet: Von Akustikkopplern, AOL und saftigen Rechnungen

Sigmund Jähn war der erste Deutsche im All, Michael Rotert wahrscheinlich der erste Deutsche im Internet. Das war 1984 – und nicht lange vor vielen unserer Leser, die bereits in den 80er Jahren mit BTX und Akustikkoppler das benutzten, was heute “das Internet” heißt. Über die ersten Schritte unserer Leser im Netz, Rechnungen bis 700 DM, BTX und 300-Baud-Leitungen.

Liest man den Kurzbericht von Guesswhois, der uns über Twitter geschrieben hat, bekommt man ein Gefühl dafür, wie wenig greifbar “das Netz” damals war: “Erster Ausflug in den 80ern. Hieß es da schon Internet?? Hörer einklemmen, wählen und kommunizieren. Gabs schon Seiten??”.

Nicht viel später kamen die ersten Internetdienste auf. Compuserve schien ein früher Vogel gewesen zu sein, wie uns Rabebi über Twitter schreibt: “CompuServe hieß es für mich zum Einstieg (89). 1. Internet? FTP zum Treiberdownload für OS/2 bei IBM.” Charakteristisch für die Anfänge des Internets war der Preis: Es war lange sehr, sehr teuer, wie Andreas Zymny bestätigen kann: “Mal überlegen. ’88? ’89? Damals nannte man das noch ‘Mailboxen’. Meine Eltern bekamen einen Schock beim Anblick der Rechnung.”

Das mit den hohen Kosten hatte sich auch zehn Jahre später nicht geändert, DSL-Flatrates waren da noch in weiter Ferne. Spaß hat es trotzdem gemacht, Moritz Haarmann kann ein Lied davon singen: “Das war wohl so ’99, Geld fürs Modem von Opa geschnorrt, der – Gott sei Dank – nicht wusste, um was es geht, 200 Mark Internetrechnung. Großartig war das. :-)”

Ähnliches berichtet unsere Leserin Katharina, wobei sie vor allem dafür zahlen musste, dass sie das Internet nicht benutzen konnte:

“Unvergessen, 1998, in Frankreich. Ich hatte von Internet keine Ahnung und mein Bruder hatte mir eine E-Mailadresse bei Yahoo eingerichtet. Zusammen mit einer spanischen Informatikerin versuchte ich mich (…) einzuloggen. Erfolglos. In diesem halben Jahr habe ich keine einzige E-Mail geschrieben. Dafür hatte ich Handyrechnungen über 700 DM im Monat. Eine großartige Zeit! Und zum Glück ohne traumatische Wirkung. Man bendenke nur dessen Folgen…”

Nicht jeder hatte anfangs so viel Spaß im Web. Immo Heinzel wusste bei seinem ersten Besuch nicht viel dort anzufangen: “Es muss 1995 oder 1996 gewesen sein. Damals auf der Cebit. Ich hatte den Unterscheid zwischen E-Mail und Internet noch nicht recht verstanden, wußte von daher auch nicht was ich in die Adressleiste eingeben sollte.” Unser Leser Julius war bei seinem ersten Besuch sogar leicht frustriert:

“Es war ungefähr im Jahre 1999. Mein Papa zeigte mir sein Büro und ließ mich für eine Stunde mit seinem PC allein. Er sagte, ich könne ja derweil “im Internet surfen”. Ich hatte keine Ahnung von Suchmöglichkeiten und deshalb probierte ich wild sämtliche bekannten Markennamen mit dem Zusatz “.de” aus. Das war so langweilig, dass ich die Stunde Warten kaum rumkriegte und vom großen Internet völlig enttäuscht war.”

Und wie erlebte die breite Masse das Internet, die nach den Pionieren kam?

Jeeha machte erste Schritte im Web bei Karstadt Anfang der 90er an einem Internet-Terminal: “Mit dem Netscape Browser gings ab auf Nintendo.de (Ja, früher war Nintendo cool und man musste noch Knöpfe drücken). Suchmaschine Google kannte keine Sau, deshalb nutzte ich das voreingestellte Fireball.de. Das waren noch Zeiten.”

Daniel Krieg ließ sich von AOL locken – er dürfte nicht der einzige gewesen sein: “Das war so ca. 1995 mit einem AOL Testpacket (diese CDs, die in jedem Heft lagen). Mit einem 56K Modem natürlich, hatten kein ISDN im Haus. Damals, in den Zeiten ohne Google machte ich meine ersten Erfahrungen mit Suchmaschinen wie Fireball, Yahoo und AltaVista. War doch auch ‘ne lustige Zeit, wer hat da schon an Blogs gedacht, wie wir sie heute schreiben! :D”

Nur ein paar Jahre früher hätte man sich über ein 56K-Modem gefreut. Wer ins Internet ging, musste beinahe Repressalien fürchten, so wie unser Leser “Nullenundeinserschubser”:

“Das war in den ersten Wochen des Studiums, also Herbst 1993. Auf einer ‘Pizzaschachtel’ von Sun. Hab die Seite der Uni Münster aufgerufen und gleich einen Rüffel kassiert, wegen Nutzung der Bandbreite ‘nur so zum Spaß’ – schließlich saß ich in Paderborn ;-)”

Warum ein Missbrauch der Bandbreite ein Staatsakt war, kann Karsten (HH_KaMu) erklären. Seine erste Reise ins Internet war “1992 an der HAW (Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg), Ziel: www.ethz.ch. Speed: 9.6 KBit/s – für die gesamte Uni wohlgemerkt.”

Eure zahlreichen Einsendungen haben uns übrigens überwältigt. Mit so vielen spannenden Geschichten hätten wir nicht gerechnet. Vielen Dank dafür und sorry, dass wir sie nicht alle hier veröffentlichen können. Ihr könnt sie aber hier in voller Länge nachlesen. Alle Absender scheint übrigens auch heute noch die Liebe zum Netz zu verbinden. Und die Erfahrungen von damals sind irgendwie auch noch die Erfahrungen von heute. Das Schlusswort gebührt deswegen diesmal unserem Leser Zwobotta:

“Mein erster Ausflug ins Internet war 1998, mit meinem damaligen Agenturchef zusammen. (…) Im WWW besuchten wir irgendwelche amerikanischen Seiten mit wirrem Layout und fragten uns, was es wohl mit der “Blue Ribbon Campaign” auf sich hat. Fasziniert haben mich die plötzliche Nähe zu anderen Ländern und die scheinbare Endlosigkeit, in der wir uns befanden. Überall hatte irgendjemand irgendetwas mitzuteilen …”


3 Gedanken zu „Die ersten Reisen ins Internet: Von Akustikkopplern, AOL und saftigen Rechnungen“

  1. Ich will ja nicht lästern, aber BTX hatte mit dem Internet nix zu tun !
    Angefangen mit der DFÜ (=Datenfernübertragung) habe ich noch zu Mailbox-Zeiten mit Akustikkoppler und damit kam ich auch ins BTX. Als das Internet aufkam, hatte ich schon ein 2400er-Modem welches dann bei erster Gelegenheit einem 14400 und dann einem 56k-Modem weichen mußte. Da waren USR und Zyxel noch “große” Namen !
    Also ich war bestimmt nicht einer der Ersten, aber schon sehr früh dabei. Damals gab es bei unserer regionalen Tageszeitung eine CD (Internet für @alle) und damit habe ich angefangen.
    Compuserve war auch einer der ersten Dienste die ich genutzt habe.
    Achsoja… die hohen Telefonrechnungen sind mir natürlich auch nicht fremd.
    Ich bin aber kein “Studierter” und inzwischen in einem hohen Alter ! :-)

  2. Die Passage zu BTX und Internet finde ich auch nicht gelungen. Ein Onlinedienst ist doch etwas anderes, so wie CompuServe und AOL ja auch.

    Dass man über Onlinedienste dann unter anderem auch auf Internetdienste zugreifen konnte, verdeutlicht den Unterschied. Die Onlinedienste hatten wenigstens ein funktionierendes System für Paid Content. Dass es das schon mal gab, wird in Diskussionen über Bezahlinhalte leider durchgehend ausgeblendet.

    Die extrem hohen Rechnungen kenne ich noch gut. Doch das kam erst später. Die Nutzung von Mailboxen war für mich vorher geradezu ein billiges Vergnügen, denn innerhalb von Berlin (West) kostete ein Anruf ja nur 23 Pfennig. Ganz egal, wie lange der dauerte. Dafür war die Nutzungszeit bei den Mailboxen beschränkt, denn anderen wollten sich ja auch mal einwählen. Kaum eine Mailbox hatte ja mehrere Leitungen. Gechattet wurde daher nur mit dem SysOp. Dumm war nur, dass jeder erfolglose Einwahlversuch (und das war ja ganz normal) ebenfalls 23 Pfennig kostete.

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