Wie Boris Becker die Medien rechts überholt

Eine Schar von Journalisten ist gekommen, als Boris Becker seinen jüngsten Marketingcoup präsentiert und berichtet anschließend treudoof: Ob sie nicht verstanden haben, was dort gerade passiert? Aber der Reihe nach: Boris Becker versteht es seit Jahren, die Medien für seine Vermarktungszwecke einzuspannen. Die Klatschpresse profitiert von den diversen Skandalen ebenso wie der ehemalige Tennisprofi, es ist ein Geben und Nehmen. Vermutlich ist es den findigen Beratern Beckers zu verdanken, dass er mit seinem eigenen Web-TV-Format jetzt die ganze Wertschöpfungskette nutzt.

Boris Becker TV (BB-TV) nennt sich sein eigene Sendung; die zugehörige Webseite bietet vier Kategorien (Personal, Sport, Lifestyle und Charity) und ein Blog. Die Epsioden sind eine Mischung aus professionell gefilmten Passagen kombiniert mit – vermeintlich – privat gedrehten Passagen, ergänzt mit einem Off-Sprecher und geschicktem Product-Placement. Die zugehörigen Sponsoren – Partner genannt – finden sich ebenfalls in vier Kategorien (Founding-, Top-, Content- und Media-Partner).

Boris Becker TV

Becker konkurriert mit den alten Medien

Betrieben wird BB-TV von der im Schweizer Zug ansässigen Bewegtbildagentur GmbH. Die Konzeption, Gestaltung und Produktion der Sendungen erfolgt im Unterauftrag von ByLauterbach aus Unterföhring, die unter anderem auch Mercedes-Benz tätig sind – Content-Partner bei BB-TV. Als Multiplikatoren hat Becker “Bild”, die das Web-TV-Format auf ihrer Seite integrieren, und RTL gewonnen. Wie die SZ berichtet, gehört zu Beckers Team zusätzlich noch Marcus Höfl als Berater und Akquisiteur von Werbepartnern, was dieser schon erfolgreich für Franz Beckenbauer erledigt.

Über die Inhalte von BB-TV sollte sich jeder sein eigenes Bild machen: Sie bewegen sich auf dem üblichen Niveau der Regenbogenpresse und bedienen damit ideal eine bestens konditionierte Zielgruppe. Bemerkenswert an BB-TV ist jedoch, dass Becker damit nicht nur inhaltlich starken Einfluss auf die Berichterstattung über ihn nimmt, sondern als eigener Anbieter in erheblich größerem Umfang von Quoten und dem damit verbundenen Werbeeinnahmen profitiert. Das Internet als Distributionsplattform macht es möglich. Die klassischen Medien sind noch mit an Bord. Aber haben sie verstanden, dass Becker damit den Boden für eine kommende Konkurrenzsituation zu ihnen geschaffen hat?