Social Web: Wer nicht teilnimmt, ist isoliert

Bei den 12- bis 24-Jährigen ist das Internet im Alltag wie selbstverständlich integriert: Mehr als 85 Prozent nutzen es mehrmals pro Woche oder täglich. Im Durchschnitt verbringen diese dann gut zwei Stunden pro Tag online, was in etwa der Fernsehdauer entspricht. Das fand die Landesanstalt für Medien NRW (LfM) in der Studie „Heranwachsen mit dem Social Web” heraus. Ergebnis: Wer viel im Web ist, ist nicht isoliert, und am wichtigsten sind den jungen Leuten Social Networks.

Wer viel im Netz ist, ist nicht isoliert – im Gegenteil

Die Onlineangebote selbst – insbesondere die Social Networks – nehmen einen hohen Stellenwert in ihrem Medienrepertoire ein, wobei ihnen die Begriffe „Web 2.0“ oder „Social Web“ nicht geläufig sind. Die meisten Befragten nutzen das Social Web „friendship-driven“; für sie ist die Chance zum Beziehungsmanagement das wichtigste Motiv. Während früher die Befürchtung galt, die technisch vermittelte Kommunikation würde Menschen isolieren, gelte inzwischen das Gegenteil: Isoliert ist, wer nicht am Social Web teilnimmt und auf den Netzwerken wie SchülerVZ und StudiVZ oder in den „Buddy Lists“ der Instant-Messenger-Dienste präsent ist. Dabei decke sich ein Großteil der Kontakte im Netz mit den Kontakten außerhalb des Internets.

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Im Hinblick auf das Spektrum der Medien öffentlicher Kommunikation ist das Internet bei den 12- bis 24-Jährigen zum meistgenutzten Medium geworden, dem die vielfältigsten Funktionen zugeschrieben werden:

- Netzwerkplattformen besitzen Schlüsselposition
Rund 69 Prozent besuchen mehrmals pro Woche Netzwerkplattformen. Sie besitzen eine Schlüsselposition in den Nutzungspraktiken von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, denn sie sind in besonderem Maße auf das Identität- und Beziehungsmanagement zugeschnitten, das in diesen Altersgruppen eine zentrale Rolle spielt.

- Instant-Messaging-Dienste wichtiger als Mail
Ebenfalls rund 69 Prozent nutzen mehrmals pro Woche Instant-Messaging-Dienste wie ICQ und MSN. Auch sie nehmen somit eine zentrale Rolle in den Nutzungsrepertoires der Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein und sind für den beständigen Austausch mit dem eigenen sozialen Netzwerk meist wichtiger als E-Mails.

YouTube gehört mit 89 Prozent zu den meist genutzten Angeboten des Social Web, 42 Prozent der 12-bis 14-Jährigen und 40 Prozent der 15- bis 17-Jährigen nannten YouTube als Lieblingswebsite.

Lifestream

Nutzer unterschätzen Reichweite, Nachhaltigkeit und Dynamik

Viele Nutzer wähnen sich in geschlossenen und privaten Communities zu sicher und machen sich nur wenig Gedanken über das breite Publikum. Oder sie unterschätzen die Dynamik, mit der sich die Inhalte verbreiten und sie die Kontrolle darüber verlieren. Unklar sei vielen auch, wie lange “virtuelle Jugendsünden” bestehen. Die meisten Befragten haben bereits in irgendeiner Form Erfahrungen mit Online-Mobbing gemacht – entweder in Bezug auf die eigene Person, auf Mitschüler oder Bekannte. Zumeist bezieht sich diese Erfahrung auf “peinliche” oder “blöde” Fotos.

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Was tun?

Die teilweise Unsicherheit resultiere häufig aus fehlender Kenntnis und mangelnder Transparenz bezüglich der Geschäftsbedingungen. Die Anbieter seien gefordert, ein größtmögliches Maß an Transparenz in Bezug auf die Nutzung und Weiterverwendung der Daten herzustellen, so die Studienautoren. Doch mal ehrlich: Wer liest die AGB denn wirklich und dann auch noch komplett?

Eltern und Lehrer müssten die jungen Erwachsenen außerdem verstärkt unterstützen und fördern. Gleichzeitig stellte die Studie aber fest: Die Nutzer sind für diese Risiken sensibilisiert, sind jedoch bereit, den Preis zu zahlen. Schließlich gehört für das erfolgreiche Kontakte-Knüpfen im Social Web ein gewisses Maß an Offenheit und auch Authentizität dazu.

4 Gedanken zu „Social Web: Wer nicht teilnimmt, ist isoliert“

  1. Also endlich mal etwas positives zum Internet.

    Man hört doch größtenteils nur irgendwie “Das Internet lässt Kinder und Jugendliche verblöden” usw. viele solcher “intelligenten” Aussagen kommen dann meist von denen, die das Internet gar nicht kennen und nur sehen: “Da gibt es pädophile, Amokläufer und Rassisten”. Das aber die Jugendlich mittlerweile hauptsächlich über das Internet kommunizieren sieht keiner und sich darüber verabreden oder ihre Hausaufgaben Online erledigen, sehen wenige.

    Ich finde eine geniale Studie, es müsste viel mehr und vor allem viel öffentlicher solche Meldungen werden.

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