Nokias Ovi Store ausprobiert: Alte Handys tunen für viel Geld

Chic aber unpraktisch – und dazu noch teuer: Nachdem Nokia am Montagabend seinen Ovi-Store vorgestellt hatte, ließen die Beschwerden nicht lange auf sich warten. Dabei ist der Store eigentlich ganz praktisch – und kann sogar ältere Handys wieder aufmotzen. Aber warum bloß schafft es nur Apple, Auswahl und Bedienung so einfach zu machen?

Traditionelle Startschwierigkeiten auch beim Ovi Store

Gleich zum Start von Nokias Ovi Store streikten die Server. Das gehört inzwischen fast zum guten Ton: Apple erging es vor Jahresfrist beim Start des App Stores nicht anders. Doch beim Ovi-Start gab es weitere Probleme: Software, die beim ersten Einloggen noch verfügbar war, tauchte beim zweiten Login nicht mehr auf, kritisierte Techcrunch. Spiegel Online bemängelte die geringe Auswahl an kostenlosen Apps. Zum billigen Jakob wird Ovi in der Tat nicht. Selbst einfache Twitter-Clients wie Gravity kosten 9,99 Euro. Nach meinem Test muss ich mich in die Schlange der Kritiker einreihen, zumindest teilweise.

Ovi Store

Positiv überrascht hat mich, dass der Ovi Store sogar mein inzwischen gut zwei Jahre altes Gerät 5700 Xpress Music unterstützt. Knapp 200 Anwendungen von Spielen über Hintergrundbilder bis zum GSM-Navigator werden für das Altgerät angeboten. Und das ist bereits der eigentliche Star von Ovi: Klar funktioniert Apples App Store besser, aber Apple muss dort nur ein Hardware-System unterstützen, ähnlich wie bei seinen Rechnern. Ovi findet Apps für eine Vielzahl von Geräten, und die Apps scheinen problemlos zu funktionieren. Man kann also seinem Altgerät noch einmal eine Runderneuerung verpassen.

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Offenbar nur Download über teure Mobilfunkverbindung möglich

Leicht macht Nokia es einem dabei aber nicht. Bei der obligatorischen Registrierung gibt man Kennwort und Mobilfunknummer zum erstenmal ein, auf dem Gerät bestätigt man einfach die einkommende SMS mit einer PIN. Bei der Auswahl der Apps am Rechner gibt man seine Mobilfunknummer ein zweites Mal ein. Die geldsparende Variante des Downloads von Rechner auf Handy per USB-Kabel, WLAN (wenn vorhanden) oder Bluetooth ist offenbar nicht vorgesehen. Das Handy wird über den Downloadwunsch per SMS informiert, die einen Link enthält. Nach dem Klick auf diesen Link öffnet sich der Ovi-Store im Handy-Browser, in dem man Login und Kennwort erneut eingeben muss. Fast hätte ich an dieser Stelle schon genervt aufgegeben. Ohne günstigen Datenvertrag und viel Geduld ist Ovi auf keinen Fall zu empfehlen.

Fazit: Nokia reiht sich endlich in die Riege der App-Anbieter ein. Das Angebot ist für den Anfang in Ordnung (rund 20.000 Apps soll es insgesamt geben), die Möglichkeit alte Handys mit neuer Software zu bestücken, ist charmant. Schade ist, dass die meisten brauchbaren Apps ab 9,99 Euro aufwärts kosten. Die Bedienbarkeit ist noch ausbaufähig, so schön praktisch wie Apples App Store ist der Ovi Store leider nicht.

4 Gedanken zu „Nokias Ovi Store ausprobiert: Alte Handys tunen für viel Geld“

  1. Na, ja, so beeindruckend find ich es nicht, daß sie es hinbekommen, content für deren Mobiltelefone anzubieten. Erstens unterstützen die meisten (europäischen) Geräte sowieso J2ME (Java) mit dem Standard MIDP2.0, was schon mal den größten Teil der Apps abdeckt und zweitens identifiziert sich jedes Nokia gerät ja eindeutig im Store mit seinem Useragent. Einizig was Nokia haben mußte für den Store ist eine Device-Verwaltung die genau festlegt, welche Daten der Store an welches Gerät ausgeben darf und da sie ja nur Nokia Geräte unterstützen, ist das keine Hexerei.

  2. Nur mal eine kurze Frage: Hast Du das “einfache” Gravity mal selbst getestet?

    Das Programm ist immerhin ein Multi-Account-Twitter-Client für Symbian S60 Handys, der umfassende Such- und Gruppenfunktionen hat und auch Bilder posten kann. Ganz abgesehen vom erstklassigen Desgin der Nutzeroberfläche.

    Warum darf eine derartige Anwendung nicht € 10,- kosten?
    Wovon soll denn bitte ein Entwickler wie @janole leben, wenn er seine Programme verschenken würde oder müsste?

    Ich finde die Erwartungshaltung irgendwie falsch.

  3. @gravity-User: Okay, das kam dann vielleicht etwas falsch rüber. Es sollte keine Kritik daran sein, dass Software allgemein Geld kostet. Es war mehr eine Kritik daran, dass es kaum kostenlose Programme gibt. Wenn Software gut gemacht ist und viele Funktionen bietet, dann darf sie auch meiner Meinung nach gerne etwas kosten, ganz klar!

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