Die alten Medien und die Stille, wenn es um Netzfreiheit geht

Was schert die Printmedien das Internet? Deutschland drohen chinesische Verhältnisse im Netz, aber die einzigen, die lautstark protestieren, sind Blogger und Online-Journalisten. Wo bleibt der Aufschrei der Massenmedien, und warum sind Fernsehen und Printmedien so still? Das haben wir am vergangenen Wochenende gefragt und interessante Antworten von Euch bekommen. Fakt ist leider auch diesmal: Das Netz tobt – und die großen Polit-Talkshows und Nachrichtenmagazine widmen sich anderen Themen.

Die Ereignisse der vergangenen Tage lassen kaum noch einen anderen Schluss zu, als dass es einen Kampf zwischen Online- und Offline-Medien gibt. Die Deutsche Kinderhilfe, Befürworter der geplanten Netzsperren, wollte vergangenes Wochenende vor Fußballstadien und an öffentlichen Orten Unterschriften sammeln. Ziel war es, die Online-Petition der Netzsperren-Gegner offline zu übertrumpfen.

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Nichts zum Thema im “Spiegel”, “Focus” oder in Polit-Talkshows

Das wird ihnen zweifellos gelingen, weil die breite Bevölkerung von den Protesten im Netz wenig mitbekommt. Während online protestiert wird, geht die Welt draußen weiter ihren gewohnten Gang. Ein Beitrag über die Proteste im neuen “Spiegel”? Fehlanzeige. Spiegel Online hingegen brachte am Wochenende im Ressort Netzwelt einen kleinen Beitrag über die beiden widersprüchlichen Umfragen zum Thema Netzsperren.

Focus Online thematisierte am Freitagnachmittag den Wettlauf zwischen Online- und Offline-Protesten. Ein Thema dazu im aktuellen Focus-Heft? Negativ. Zeit Online ereifert sich am Wochenende noch darüber, dass der Autor der satirischen Kampagne “Du bist Terrorist” abgemahnt wurde. Ein ebenso flammender Protest für Freiheit im Internet in der gedruckten Zeit? Schön wär’s. Die Netzsperren als Thema in den aktuellen Sendungen bei Maischberger und Illner? Nicht vorgesehen.

Das Internet als lästige Konkurrenz?

Warum nur? Zwei Leser unseres Wochenendgezwitschers haben eine Vermutung. Puh zum Beispiel meint:

Die großen Printmedien und das Fernsehen sehen das Internet als die größte Konkurrenz an und denen wäre nichts lieber als wenn das Internet komplett zensiert würde (…). Es redet kein Mensch von Zensur in Radio, Fernsehen und Print, also warum sollen sie sich um das Internet scheren? Sie würden tatenlos zusehen, wie es kaputt gemacht wird, nur um ihre Umsätze zu sichern!

Ähnlicher Ansicht ist unser Leser Jonas:

Ich denke, die “großen” Medien bleiben still, weil sie sich durch das Internet bedroht fühlen. Das WWW ist in den letzten Jahren zu einer Ressource geworden, die Fernsehen und Zeitungen immer mehr den Rang streitig macht, sowohl, was News angeht, als auch im Bereich Entertainment. Eine gründliche Aufklärung seitens der Medien würde bedeuten, den “Rivalen” zu beschützen.

Netzfreiheit scheint den alten Medien egal zu sein

Sind es wirklich wirtschaftliche Interessen, die Verleger davor zurückschrecken lassen, über ein Thema zu berichten, dass die Meinungsfreiheit bedroht? Liegt es vielleicht daran, dass es zurzeit keine schlagkräftige Opposition gibt und die SPD- oder CDU-Nähe einzelner Medien diesmal keine Rolle spielt, weil beide Parteien die Regierung stellen?

Ich weiß es nicht, aber ich bin enttäuscht darüber, wie wenig die alten Medien für die Meinungsfreiheit kämpfen, die sie jahrzehntelang so glühend gegen jedweden Beschränkungsversuch verteidigt haben. Sie verhalten sich so, als ginge sie der Kampf um die Freiheit der Meinung im Internet nichts an. Das könnte dazu führen, dass der notwendige Protest der schlecht informierten Bevölkerung ausbleibt. Die Sperren von kinderpornografischen Inhalten als Beginn eines umfassenden Maßnahmenkataloges zur Netzzensur könnten dann wie geplant in Kraft treten.

4 Gedanken zu „Die alten Medien und die Stille, wenn es um Netzfreiheit geht“

  1. Ich werde zur Diskrepanz online/print-Berichterstattung bei der Zeit demnächst in meinem Blog noch mal etwas schreiben. Vorweg: meine Vermutung ist, das es weniger eine “wir im Print wollen überleben, also lassen wir das Internet absaufen” Strategie der Printmedien ist sondern profaner: auch in den Redaktionen tobt der Generationenkonflikt.

    So wenig die Bundestagsabgeordneten verstanden haben wie das Internet funktioniert und wie es sich mit und in ihm lebt, so wenig ist dieses Verständnis bei den Offline-Journalisten vorhanden. Sie nutzen Mails, aber ansonsten ist das nicht ihre Welt.

    Anders die online-Journalisten, die sind ja nun alle am Start – haben aber in der Redaktionshierarchie (noch) nichts zu sagen.

  2. Das Problem lautet halt: Heute das Netz, morgen Print und übermorgen TV. Eine Zensur findet DEFINITIV statt.

    Darüber sollten auch die “offline Journalisten” mal nachdenken.

    Es geht längst nicht mehr nur um das Netz oder um die armen digital natives, die sich in ihrer Freiheit bedroht fühlen.

    Es geht drum, dass der Staat ein Instrument bekommt um die eigenen Gesetzte zu umgehen. Somit ist das KiPo-Thema nur der Anfang. Es folgen weitere “Sperrlisten” im Netzt (Illegale Film & Musikdownloads) und auf diesem Gesetz basierend wird die Welle auch in die klassischen Medien schwappen und möglicherweise schon bald – verzeiht mir den Ausdruck – “regimekritische” Publikationen oder Sender auf die Sperrlisten bringen.

    Aber dann wird es zu spät für ein Eingreifen des “allmächtigen Volkes” sein. Dann ist Zensur Gesetz!

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