59 Prozent sehen Zukunft der Musik bei iTunes & Co.

Fakt ist: Die Musik-CD liegt in ihren letzten Zügen. Ganz sterben wird sie ähnlich wie die Vinyl-Platte wohl nie, aber das Massenpublikum wird künftig auf andere Art für Musik bezahlen. Aber mit welchem Modell? Musikflatrate, Einzel-Downloads, Micro-SD-Karten? Das wollten wir von Euch bei unseren jüngsten Wochenendgezwitscher und -umfrage wissen. Ergebnis: Die Mehrheit ist für iTunes & Co. – und für deutlich preiswertere Downloads.

Immerhin 21 Prozent sind für Legalisierung von Filesharing

Welches Zukunftsmodell der Musik wird sich auf lange Sicht am ehesten durchsetzen? Das fragten wir Euch am vergangenen Wochenende. Mit 59 Prozent der Teilnehmer stimmte die überwältigende Mehrheit für legale Downloads ohne Digital Rights Management (DRM), wie iTunes, Amazon oder Musicload sie anbieten. Als zweithäufigste Antwort entschieden sich 21 Prozent der Umfrageteilnehmer für die inzwischen ebenfalls heiß diskutierte völlige Legalisierung von Filesharing. Musiker und Songwriter sollten über Konzerte und Werbeverträge ihr Geld verdienen, so die Idee dahinter. 14 Prozent hätten gerne ein kostenpflichtiges Musikabo mit unbegrenzten Downloads, die allerdings in der Regel noch mit DRM und beschränkter Nutzung funktionieren. Napster und Nokia bieten beispielsweise eine derartige Flatrate an.

Zukunft der Musik
Ergebnisse der Umfrage zum Thema: Welches Zukunftsmodell der Musik wird sich auf lange Sicht am ehesten durchsetzen?

29 unserer Leser nahmen an der Umfrage teil, was sie selbstverständlich zu einer nicht-repräsentativen Studie macht, aber zumindest die Richtung anzeigt. Die übrigen Auswahlmöglichkeiten: Webradios wie Last.fm, werbefinanzierte Webclients wie Steereo und die Micro-SD-Karte als physischer CD-Nachfolger erhielten jeweils nur eine oder gar keine Stimme. Auf Twitter und in den Kommentaren zum Beitrag diskutierten die freshzweinull-Leser die mögliche Zukunft der Musik.

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Bloggeresk votiert für “legale Downloads via iTunes & Co. Aber nur solange sie DRM-frei sind, sonst stimmt der Deal im Vergleich zu anderen Möglichkeiten einfach nicht.” Ryan Rauscher von der Popakademie Mannheim und Mitorganisator des “Future Music Camp” hält eine Legalisierung von Filesharing für problematisch: “Brechen die Einnahmen aus der Recorded Music weg – werden viel weniger Künstler weiterhin Musik machen können. Die meisten Interpreten sind übrigens schon immer so viel wie möglich live aufgetreten, da ist nicht mehr viel zu holen!”

Nur 19 Cent für einen Song?

Er spricht sich für eine Flatrate aus, für die er bis zu 25 Euro im Monat zahlen würde. Bei etwa 200 Downloads im Monat käme er damit auf einen Songpreis von 12,5 Cent – deutlich weniger als heute üblich ist: “Versucht also nicht, mir einen Song für mehr als 12,5 Cent anzudrehen. Das werde ich nie bezahlen. Gefühlt würde ich übrigens niemals mehr als 10 Cent pro Stück bezahlen. Das ist auch der Grund, warum in meinem Fall eine Flatrate besser passt.”

Eugilicious sieht es ähnlich: “Also, ich finde legale Musik einfach zu teuer. Lieder aus den Charts kosten 1,29 € bei iTunes, das ist für mich überhaupt nicht zeitgemäß. IMO sollte Musik deutlich günstiger werden, dann würden mehr Menschen auch wieder was kaufen. Album für 1,99 € – fänd ich toll, pro Lied 0,19 € – wäre noch teuer, aber gut.” Und weiter fragt er: “Habt Ihr von freshzweinull keine tolle Idee?=)”

Haben wir, aber leider nichts Revolutionäres. Ich könnte mir einen Mix vorstellen: Ein Webradio wie Last.fm, bei dem man wie bisher seine Lieblingslieder ein paar mal hören kann und auf neue Musik aufmerksam gemacht wird. Und dazu die Möglichkeit, Alben und Einzelstücke DRM-frei zu kaufen. Denn mal ehrlich: Selbst 1,29 Euro für einen Song zu zahlen, ist immer noch deutlich preiswerter als die fünf Euro, die ich zuletzt für eine Maxi-CD bezahlt habe. Ganze Alben zum Download für zehn Euro halte ich ebenfalls für bezahlbar. Eine Musikflatrate würde den Künstlern wohl nie genug Geld einbringen und die Interpreten nicht fair entlohnen.

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Die CD am Ende? “Noch lange nicht!”

Erstaunlich viele Kommentatoren legen übrigens Wert darauf, dass die CD noch lange nicht tot sei. Soelsch zum Beispiel via Twitter: “Glaube nicht, dass es die letzte Runde für die Musikindustrie ist. Gibt neben Piraten und Amazon auch noch viele Anti-Web2.0-Menschen.” HolgiPoldi sieht es per Twitter ähnlich: “SD-Karten mit den Songs wären eine denkbare Lösung. Aber bis die CD ausstirbt … das dauert noch.”

Auch Dave von JazzDrummerWorld meint, dass verschiedene Musikrichtungen noch lange auf die CD setzen werden. Ihm gebührt deswegen heute das Schlusswort: “Ich habe gemerkt, dass in letzter Zeit unglaublich viele gute Alben auf den Markt gekommen sind. Und im Jazz-Bereich sind MP3-Files eh oftmals kein Thema, und hier kauft man nach wie vor fleißig CDs. Jazzer sind eben auch Sammler, und die mögen ihre CDs! ;-)”

2 Gedanken zu „59 Prozent sehen Zukunft der Musik bei iTunes & Co.“

  1. und dennoch sind im vergleich die revenues die über digitale distribution laufen ein kleiner teil der ad absurdum gesunkenen verkaufszahlen.. der ganze markt schrumpft und der hebel, den es mal für artists und label gab über den LP hap und die hohe marge, der ist weg und damit auch das Interesse um das mal so lapidar auszudrücken..
    Vielleicht gibts in 5 jahren wieder mehr sales, wenn die ganzen handys alle mp3 shop ready sind und solche transaktionen einfacher gehen als im moment.. also damit meine ringtone easy nicht itunes starten und kredit karte eingeben easy..

  2. Oh ich fühle mich also geehrt ;-)!

    Mich erstaunt es einfach immer wieder wie treu gerade Jazzer hier sind. Hier geht einfach nichts über eine CD! Klar hat man auch MP3 Files. Aber wenn man etwas richtiges in der Hand halten möchte und dazu guten Sound haben möchte, ist die CD die erste Wahl, keine Frage. Ich rede viel mit Leute, welche einen CD Laden haben. Die können das bestätigen. Jazzer sind hier gerade anders und ich denke es ist auch Altersabhängig, je nach dem.

    Vielleicht kommt was revolutionäres, wer weiss ;-)?! Aber auch für mich ist ein Album einfach nach wie vor die erste Wahl. Und ich den letzten Monaten, sind wie gesagt unglaublich viele geniale Alben auf den Markt gekommen. Das erfreut mich sehr!

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