4 Gründe, warum T-Mobile und Vodafone sich vergeblich über Skype aufregen (Update)

Viel Lärm um Skype: Die mobile Version der kostenlosten Telefonsoftware entfacht neuen Ärger bei den beiden größten deutschen Mobilfunkanbietern Vodafone und T-Mobile. Beide haben damit gedroht, keine Nokia-Handys zu vertreiben, auf denen eine Skype-Funktion installiert ist, meldet die Tageszeitung “Die Welt”. Die Mobilfunkanbieter fürchten massive Einbußen bei den Gesprächsumsätzen. Wir nennen vier Gründe, warum diese Sorgen maßlos übertrieben sind.

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1. Unterwegs unbrauchbar

Skype oder andere Kostenlos-Software zum Telefonieren mag gut mit dem heimischen DSL-Anschluss zusammenarbeiten. Unterwegs geben die Mobilfunknetze aber so wenig Kapazität her, dass Gespräche über Skype kaum zustande kommen. T-Mobile und Vodafone könnten getrost abwarten, bis ihre Kunden das mehrmals erfolglos testen und dann von sich aus aufgeben.

Skype App2. Keinesfalls preiswerter

Wer Skype über das Mobilfunknetz benutzt, würde nach Datenvolumen abgerechnet werden. Bei den momentan immer noch horrenden Preisen für Datenpakete ergäbe sich auch preislich kein Vorteil bei der mobilen Nutzung von Skype. Mehr noch: Mobile-Web-Nutzer wissen um das schmale Volumenpaket, das ihre Anbieter ihnen zur Verfügung stellen, und hüten es wie ihren Augapfel. Niemand, der bei Trost ist, käme auf die Idee, diesen Schatz schneller als nötig vom datenintensiven VoIP auffressen zu lassen.

3. Festnetzanbieter stärker betroffen, und das schon lange

In WLAN-Hotspots wie bei Starbucks hatte T-Mobile ohnehin angekündigt, Ports zu sperren, die Skype oder andere VoIP-Programme verlangen. Lediglich zu Hause wäre Skype für die Benutzer über ein WLAN-fähiges Handy überhaupt nutzbar. Und da sind die Klagen der Mobilfunkanbieter scheinheilig, ihnen gingen Umsätze verloren.

Wer zu Hause kostenlos mit Freunden telefonieren will, tut das ohnehin schon mit Skype. Betroffen ist in dem Fall aber der DSL-Anbieter, über dessen Leitung das heimische WLAN die Verbindung ins Netz herstellt. Und auch wenn zumindest Vodafone das sicherlich gerne anders hätte: Der Festnetzanbieter ist in vielen Fällen ein ganz anderer als der Mobilfunkanbieter. Bei Skype im heimischen WLAN geht also eher den Festnetzanbietern etwas verloren als den Mobilfunkanbietern.

4. Einnahmen über Gesprächsminuten kann man getrost vernachlässigen

Als Letztes muss aber auch noch die Frage erlaubt sein, ob Gesprächsminuten überhaupt noch zur wichtigsten Einnahmequelle der Mobilfunkanbieter gehören. In Zeiten von Telefon- und Doppelflatrates und kombinierten Pauschaltarifen für Telefonie und Datenpaketen holen sich die Mobilfunkanbieter ihre Einnahmen über monatliche Grundgebühren. Gesprächsminuten für das Festnetz sind den Anbietern schnuppe, ganz besonders wenn der heimische Telefonanschluss ohnehin ein VoIP-Anschluss ist. Geld bekommen sie also trotzdem, ganz gleich, ob jemand via Skype mit dem Ausland telefoniert oder nicht.

Das Netz, das Netz

Der einzige Grund, aus dem ich die Bauchschmerzen von T-Mobile und Vodafone wirklich mitfühlen kann, ist die mögliche Netzüberlastung. Skype wird über 3G- oder GSM/EDGE-Netze nicht gut funktionieren. Viel Kapazität könnte aber alleine dadurch vernichtet werden, dass Skype-Nutzer es versuchen. Das könnte normale netzinterne Gespräche und Datenverbindungen über das Mobilfunknetz beeinträchtigen. Und wahrscheinlich geht es T-Mobile und Vodafone bei ihrem Geschrei in erster Linie darum. Ansonsten können beide Anbieter Skype gelassen entgegen blicken.

Vor gut einem Monat gab es den gleichen Ärger zwischen T-Mobile und iPhone-Hersteller Apple, der Skype auf dem iPhone zugelassen hatte.

Update: 17.00 Uhr: Vodafone gab heute bekannt, dass es keinen Streit mit Nokia gebe. Man plane vielmehr spezielle Datentarife, um Skype auf mobilen Geräten wie dem Nokia N97 zuzulassen.

12 Gedanken zu „4 Gründe, warum T-Mobile und Vodafone sich vergeblich über Skype aufregen (Update)“

  1. Stimmt so überhaupt nicht:
    habe schon über das noch recht langsam UMTS Netz von Eplus über Daten-Stick per Macbook, einstündige VIDEO ! Telefonate in andere Länder geführt.
    Das kann mir keiner weismachen, dass ich hier mit einem regulären Gespräch günstiger weggekommen währe.

  2. Sehr geehrter Herr Redakteur,

    leider ist Ihr Artikel komplett ohne Visionen und entbehrt ohnehin zusätzlicher Fakten.

    Bereits heute gibt es mobile Datenflats mit HSPDA bis zu 7,2 Mbit aktuell !!!
    die Telefonieren via Skype – oder besser VOIP SIP – mehr als nur gut ermöglichen.
    Ich selber habe einen Test auf der Autobahn im fahrenden Auto !! mit einem mehr als zufriedenstellenden Ergebnis kürzlich durchgeführt !

    Kosten Null ! da Daten- und SIP Flate vorhanden

    billiger und mobiler geht es nicht

    Ende dieses Jahres sollte es bereits in nahezu Gesamtdeutschland möglich sein.

  3. zu 1. Ist möglich via UMTS
    zu 2. Kann bei weltweiten Gesprächen durchaus günstiger sein.
    zu 3. Es gibt viele HotSpots an denen Skype möglich ist. (s.u.a. Fonera)
    zu 4. O2 und E-Plus haben Gesprächskosten erst wieder angehoben, D-Netzte ziehen sicherlich bald nach. Da hilft auch erstmal kein “Kosten-Airbag” bei O2o
    Ich kenne jede Menge Leute ohne Flatrate.

    Vodafone meinte heute via Twitter:
    “kein Streit zwischen uns und Nokia. Im Gegenteil: Wir bereiten Tarife vor, in denen die Nutzung von VoIP zugelassen ist #voip #vodafone”

    mfg René

  4. @Boris Ott: Hab da mit iPhone & T-Mobile andere Erfahrungen gemacht. Aber gut, ich lasse mich da gerne nochmal vom Gegenteil überzeugen.

    @Kiefer: Hat deine 7,2-Mbit/s-HSDPA-Flatrate denn auch mehr Freivolumen als 1 GByte? Wenn nicht, wünsche ich viel Spaß beim Skypen, bis die Verbindung gedrosselt wird, bzw. beim Obendraufzahlen.

  5. 10 gigabyte und danach erst gedrosselt

    und ausserdem wird es in naher zukunft auch welche ohne volumenbeschränkung geben

    und das für 10 euro ! im monat

    ist doch absehbar

  6. @Melwin: Mach es anders: Wenn du was zum Thema geschrieben hast, dann füg es hier offen und ehrlich als Kommentar an. Aber bitte nicht auf diese “Hab ich gefunden”-Tour. Solche Kommentare landen hier in Zukunft – wie von WordPress bereits vorgeschlagen – auf der Spam-Liste.

  7. der trennt mit den handy flats wirds sich sicherlich analog zu den festnetz flats entwickeln, von daher wird in zukunft sicherlich einiges an geld zu sparen sein, wenn man via skype o.ä. telefoniert.

    und last but not least: handy telefonate auf dem normalen weg haben oft genug eine schlechte verbindung, von daher ist das kein argument gegen skype.

  8. also 20 euro ist tchibo
    und die andere variante ist t-mobile iphone flat

    und die 10 euro genau lesen

    kommen erst noch

    die preise werden weiter fallen

    so hatte ich das gemeint und geschrieben

  9. Hallo Jürgen,

    ich kann nicht einen einzigen Deiner Punkte bestätigen.

    Z.B. Keine Einsparung: Gerade eben habe ich mit einem Freund auf den Kanaren eine halbe Stunde lang telefoniert. Per Skype -> spanisches Vodafone Prepaid Daten + Skype PC = 30 Cent. Konventionell hätte es – egal in welcher Richtung – etwa 3 Euro gekostet. Eine Einsparung von 90%. Und wenn Nokia jetzt Skype in seine neuen Handies integriert, wird es sogar unterwegs brauchbarer als das Handy selbst (z.B. durch zentrales Telefonbuch).

    Diesmal brauchen wir nicht über die EU zu schimpfen, siehe http://blog.saddey.net/2009/05/13/warum-vodafone-und-t-mobile-bei-skype-zuruck-rudern/

Kommentare sind geschlossen.