Neues Übersetzungstool Linguee füllt Lücke zwischen Wörterbuch und Babelfish
21. April 2009 - Jürgen Vielmeier
Was macht man mit so großspurigen Ankündigungen wie: “Die etablierten Online-Wörterbucher müssen sich warm anziehen: Ab heute beginnt ein neues Zeitalter für die Online-Suche nach Übersetzungen”? Die Mail sofort löschen, auf den Spam-Filter setzen oder einfach ignorieren? Das wollte ich zuerst, aber dann fielen mir all die frustrierenden Versuche mit Übersetzungstools ein, wenn es darum ging, ganze Satzfragmente und Redewendungen zu übersetzen. Linguee behauptet, das zu können. Das mussten wir testen.
Auch Linguee findet keine Fantasiesätze wie “Er aß Schwein zu Mittag”, schlägt aber einzelne Wortkombinationen vor. Die beiden Worte “Er aß” werden mit vorhandenen Sätzen kombiniert und an Beispielen dargelegt. So schlägt Linguee für unser Beispiel “Er aß das Brot auf” vor und übersetzt es korrekt mit “He finished up the bread.” Einzelne Übersetzungen werden von Linguee auf Korrektheit überprüft und mit einem grünen Häkchen markiert. Für die Mehrzahl der Übersetzungen übernimmt Linguee keine Garantie, lässt die Phrasen aber von den Nutzern mit 1 bis 3 Sternchen markieren. Neben zweifelhafte Übersetzungen setzt das Tool ein Warnschild.

Nicht sehr hübsch, aber funktional: die Linguee-Ergebnisseite
Suche in mehrsprachigen Webangeboten
Linguee setzt einen Webcrawler ein, der bereits übersetzte Texte im Web durchforstet. Eine einfache aber gute Idee. Der Crawler analysiert mehrsprachige Websites und findet Texte in Unternehmenspräsentationen, Touristik-Angeboten, EU-Dokumenten aber auch Patentschriften und wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Dadurch soll Linguee auch seltenes Vokabular aufspüren können, das Wörterbücher wie Leo nicht finden.
Linguee übersetzt von Deutsch nach Englisch und von Englisch nach Deutsch. Andere Sprachen werden derzeit nicht unterstützt. Unser Test verlief gut, die Ergebnisse sind brauchbar. Die Lücke zwischen Wörterbuch und Übersetzungstools für ganze Texte, wie Babelfish, könnte damit geschlossen werden. Woran die Macher aber noch arbeiten sollten, ist das Webdesign der Ergebnisseite. Die kommt mit einer seitenfüllenden, grauen Tabelle nicht gerade erotisch daher.




Mir gefällt vor allem, dass ich für kurze Wörter wie “essen” Resultate bekomme, wo ich Beispiele aufklappen kann. Wenn auch ein wenig im Amateur-Design versteckt, ist diese Funktion ja superpraktisch!