Musikpiraten aus Kanada: Erste Raubkopien bereits 1897

Musik und Piraterie, das gehört offenbar zusammen wie Schuh und Schnürsenkel: Das Blog BestActEver hat im Archiv der “New York Times” einen Artikel aufgestöbert, nach dem die junge US-Musikindustrie bereits im Jahr 1897 (!) mit Raubkopien zu kämpfen hatte. Die Piraten kamen nicht aus China oder Schweden, sondern aus dem Nachbarland Kanada. Gesendet wurde die Ware per Post – und geworben dafür ganz öffentlich in kanadischen Zeitungen. Eine frühe Form des Homeshoppings also noch obendrein.

Frühe Raubkopierer

Kanadische Musikpiraten importierten demnach fünf Millionen urheberrechtlich geschützte Schallplatten im Mai 1897 und boten sie in Kanada für zwei bis fünf US-Cent an, statt für 20 bis 40 Cent wie in den USA. Listen der neuesten Titel erschienen in kanadischen Tageszeitungen, die sich mit den Piraten die Einnahmen teilten. In einer Konferenz trafen sich US-Musikanbieter, um Maßnahmen gegen die Piraterie zu beraten. Als mögliche Lösung wurde überlegt, die US-Post einzuschalten, die Sendungen mit illegalem Material nach Kanada zurückschicken sollte.

Erste Schallplatten ab circa 1890

So abenteuerlich die Meldung auch klingt, sie scheint in der Tat wahr zu sein. Darauf aufmerksam geworden sind wir bei Basic Thinking. Eine Recherche im Archiv der “New York Times” fördert das gleiche Dokument zutage. Technikgeschichtlich ist die Meldung ebenso realistisch: Auch wenn die industrielle Massenproduktion der Schallplatte erst im Jahr 1901 mit der monopolartigen Stellung der Victor-Schallplatten begann, gab es erste Tonträger bereits um 1890 zu kaufen, in größerer Stückzahl etwa ab Mitte der 1890er Jahre.

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Die frühen Jahre der Schallplatte waren ein ständiger Streit um Patente und fehlende Standards. Die “Music Publishers’ Association of the United States” (MPA) wurde im Jahr 1895 gegründet – und sie kämpft auch heute noch verbissen gegen Urheberrechtsverletzungen. Ein mehr als 100 Jahre alter Kampf, der offenbar nicht gewonnen werden kann.

Ein Gedanke zu „Musikpiraten aus Kanada: Erste Raubkopien bereits 1897“

  1. Ich bin gerade ein bisschen traurig darüber, dass die Blogosphäre den alten Kram auspackt. Wenn irgendjemand auch nur ansatzweise gewillt ist, sich mit der Urheberrechtsproblematik etwas tiefgreifender auseinanderzusetzen, bestelle er sich doch bitte bei Amazon folgendes Buch: Lawrence Lessig – Freie Kultur. Wie dort seit Jahren nachzulesen ist, gibt es die Problematik der Urheberrechtskriege schon etwas länger.

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