Ins Netz gegangen: Doris Hammerschmidt, die Netz-Aficionada

Sie war – im wörtlichen Sinne – die Stimme der deutschen Podcastszene: Doris Hammerschmidt, vielen bekannt vom “Podcastjournal”, dem akustischen Szenemagazin. Inzwischen hat die Radiojournalistin aus dem Hobby einen Beruf gemacht und ist aus der Radio- in die Podcastproduzentenszene gewechselt. Gemeinsam mit ihrem Mann produziert sie seither Tonjuwelen und für freshzweinull den beliebten Videocast “Weboskop”. Uns hat Doris Hammerschmidt von Jesus im Chat erzählt und vom Wunsch nach Türstehern im Netz.

Seit wann nutzen Sie das Internet?
Das muss so 1997 gewesen sein, als ich über einen AOL-Account Zugang zu diesem Wunderwerk bekam (kkrriiieeekraakrriieeeetsch). Damals tummelte “man” sich besonders gerne im ProSieben-Chat, und ich wunderte mich schon da über manch übereifrige Chatter. Ich kann mich an Einen erinnern, der nur und permanent !!!JESUS!!! postete, bis ihn einer rauskegelte. Chat war dann schnell nicht mehr meins, aber da ich eine Kolumne für ein “Portal” schrieb, musste ich mich auch ein wenig in HTML einarbeiten und kam mir vor wie die super wichtige Programmiererin. Schließlicht landete ich Jahre später beim TV-Wissenschaftsmagazin “Welt der Wunder” und habe da als Redaktionsleiterin die Website zur Sendung mit aufgebaut. Spätestens da war ich Netz-Aficionada allererster Güte.

Doris HammerschmidtWas ist momentan Ihre Lieblingswebsite?
Das ist immer und immer wieder hoeflichepaparazzi.de – eine seit Jahren unglaublich anwachsende Sammlung von Berichten von Menschen, die bekannte Menschen, vulgo Promis, zufällig in einer ungewöhnlichen Situation getroffen haben. Wie sich Bob Dylan in der Hausnummer irrte und eine Stunde bei irgendwelchen Leuten auf den falschen “Dave Stewart” wartete zum Beispiel. Reizvoll ist aber, dass dort echte Könner schreiben, Max Goldt, Tex Rubinowitz oder Kathrin Passig etwa.

Welches App begeistert Sie zurzeit am meisten?
App? Ist das ein Schweizer Kanton? Na, abgesehen davon, dass mich Klaus Eck und Georg Schneider tatsächlich zum Twittern gebracht haben, bin ich kein besonderer App-ologet, ich hänge sogar noch am Wandkalender aus Papier und der deswegen bei mir an der Wand.

Was war das letzte Musikstück, das Sie im Netz gekauft haben?
Das war Operation:Mindcrime von Queensryche. Das hatte ich früher auf Kassette und habe jetzt bei Youtube einen Ausschnitt aus einem Live-Konzert gesehen. Das hat mich daran erinnert, dass das ein Stück Musik ist, dass ich besitzen MUSS. “Progressive Rock” nannte sich das damals, Wagner für Metal-Fans, Musik mit Bumms UND intellektuellem Anspruch.

Was vermissen Sie bei einem Netzausfall am meisten?
Bah, ich erinnere mich an Umzugszeiten, als für zwei Wochen kein Netz da war, und ich immer mit dem USB-Stick ins Büro von Freunden gefahren bin, um dort irgendwie unsere Geschäfte weiter am Laufen zu halten. Das war kein Spaß, da merkt man, wie abhängig man von dem Quatsch ist. Jüngst waren wir mal für einen halben Tag vom Netz und ich ertappte mich bei dem Gedanken: “Hmm, und was mach ich jetzt?”

Was sollte es im Internet noch geben?
Türsteher vielleicht? “Ey, Du kommst hier ned rein”, eine Art Geschmackspolizei, schlussredaktion.de, die Diktatur der digitalen Elite …?? *Provokation aus*