Apple steht trotz Rekordgewinns vor einem kühlen Sommer
23. April 2009 - Jürgen Vielmeier
In schlechten Zeiten braucht man Helden. Die Wirtschaftskrise tobt mittlerweile weltweit, und die deutsche Wirtschaft soll in diesem Jahr um 5 bis 6 Prozent schrumpfen. Aber zumindest ein Unternehmen meldet Geschäftsrekorde: Apple. Umsatz, Gewinn und Absatzzahlen stiegen vor allem dank des iPod touch im abgelaufenen Quartal deutlich an. Der App Store wird in Kürze die Marke von 1 Milliarde Downloads überschreiten. Die Frage ist nur: Wie lange wird es Apple noch gut gehen? Denn bahnbrechende neue Produkte sind nicht in Sicht und auch ein Netbook soll es laut Interimspräsident Tim Cook nicht geben.
Cook ging mit bisherigen Netbooks hart ins Gericht und machte Fans nicht gerade Mut, dass Apple selbst in der Sparte aktiv werde: “Schaue ich mir Netbooks an, sehe ich lausige Keyboards, furchtbare Software, ramschige Hardware, sehr kleine Bildschirme. Das ist nichts was den Usern Spaß machen dürfte und auch nichts, wo wir das Mac-Logo gerne draufkleben würden”, sagte Cook gestern bei der Bekanntgabe der Finanzergebnisse. In dem Segment wolle Apple nicht aktiv werden. Wer ein mobiles Gerät für E-Mail und Webbrowsing wolle, solle sich einen iPod touch oder das iPhone besorgen.

Läuft gut: Der Apple App Store. Doch erste Schwächen bei Apple tun sich auf.
Bedeutet die Absage an Netbooks die Planung eines anderes MIDs?
Mit der ziemlich deutlichen Absage an Netbooks nährte Cook zugleich die Hoffnungen auf ein anderes Mobile Internet Device (MID). Gerüchten zufolge könnte das ein Tablet-Computer mit Touchscreen und dann wohl ohne separate Tastatur sein. Apple wird sich auf alle Fälle etwas Neues einfallen lassen müssen, denn die guten Umsatz- und Gewinnzahlen sind diesmal allein der mobilen Geräte iPod touch und dem iPhone zu verdanken. Bei Tisch-Computern und MacBooks ging die Nachfrage zurück. Weil das Geld derzeit nicht mehr so locker sitzt, dürften sich auch die mobilen Geräte schlechter verkaufen. Apple dürfte damit also mit leichter Verspätung ebenfalls in die Krise rutschen, voraussichtlich nach dem laufenden Quartal.
Neues iPhone, viel versprechender Schneeleopard. Aber sonst?
Die Hoffnungen ruhen derzeit auf dem iPhone der dritten Generation, das mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit in diesem Sommer auf den Markt kommt. Doch mit einem verbesserten Touchscreen-Handy ohne wesentliche Neuerungen (zum Beispiel einem ausklappbaren Keyboard) lockt man derzeit auch kaum noch jemanden aus seinem Lehnstuhl hervor. Das für den Sommer angekündigte, neue Rechner-Betriebssystem Mac OS X 10.6 “Snow Leopard” soll im Vergleich zu den Vorgängern eine kleine Revolution werden, aber das alleine wird den MacBook-Verkauf nicht auf den Gipfel treiben. Ansonsten scheint nicht viel geplant zu sein. Für Apple könnte es ein kühler Sommer werden.
Apple erzielte im zweiten Quartal (Januar bis März) seines Fiskaljahres 2008/09 8,16 Milliarden US-Dollar und damit neun Prozent mehr als vor einem Jahr. Der Gewinn stieg um 15 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar.




Die Aussagen von Apple in Sachen Netbooks sollte man nicht so ernst nehmen, denke ich. Sie kündigen halt nie an, dass sie etwas vorhaben. Und solange sie es nicht haben, braucht es natürlich auch keiner – Marketing-Logik eben ;-)
Ich erinnere mich noch gut daran, wie Apple-Chef Steve Jobs immer alle Fragen nach einer Video-Funktion im iPod abgebügelt hat. Der Bildschirm sei dafür viel zu klein und niemand schaue Filme auf einem mobilen Gerät. Was daraus geworden ist, können wir heute alle an der Modellpalette ablesen.
Bei der vorherigen Krise der IT-Branche hat Apple auch Federn gelassen, gehörte aber damals schon zu den ganz wenigen, die trotzdem noch Gewinne geschrieben haben. Und dabei hatten sie damals noch nicht auf Intel geswitcht und den mächtigen iPod-iPhone-iTunes-Komplex gab es auch noch nicht als Stütze.
Hat Apple nicht außerdem bereits um die 30 Mrd. US-Dollar auf der hohen Kante? Ich glaube, damit kommen sie ganz gut durch den wirtschaftlichen Winter.
Durch den Winter werden sie schon kommen. (Fände es auch sehr schade, wenn nicht.) Nur werden sie das laufende Quartal ziemlich sicher nicht so gut überstehen wie das, über das sie jetzt berichtet haben. Bin gespannt, ob sie noch einen Knüller in der Hinterhand haben.