YouTube: Größte Musiksammlung der Welt wird ausgedünnt
23. März 2009 - Jürgen Vielmeier
Vor kurzem habe ich eine Handvoll Rocksongs aus den 90er Jahren bei YouTube gesucht und war über die schlechten Suchergebnisse erstaunt. Viele Stücke, die es dort vor einigen Monaten noch gab, waren entweder ganz verschwunden oder nur noch als Live-, Remix- oder Cover-Version zu finden. Offenbar zeigen sich darin die ersten Früchte der Rechte einklagenden Musikindustrie, allen voran Warner Music.
Das Plattenlabel lässt nach geplatzten Lizenzverhandlungen mit YouTube im Augenblick zahlreiche Videos löschen. Die dazu eingesetzte Software macht auch vor vielen Cover-Versionen nicht halt, meldet Spiegel Online heute. Private Videos, die die gleiche Klangabfolge haben wie das Original, werden damit gelöscht. Übrigens nicht absichtlich, wie ein Sprecher der Musikindustrie klarstellt. Das Ganze ist wohl eher als Kollateralschaden zu betrachten. Die Bürgerrechtsbewegung EFF (Electronic Frontier Foundation) rechnet übrigens damit, dass auch weitere Rechteinhaber vom gleichen Software-Löschtool Content-ID Gebrauch machen und die Situation sich damit eher noch verschlechtern werde.
YouTube als größte öffentliche Musiksammlung der Welt – das könnte bald der Vergangenheit angehören. Leider.




DAS habe ich heute auch festgestellt. Ich meine, Youtube – das war die Plattform für mich, wenn ich nach einem Song gesucht habe, von dem ich nur bestimmte Fetzen kannte (Bsp.: No more no more no more no more – gib das bei YT ein, da findest du nix. Erst als ich über zehn Ecken bei google gesucht habe, bin ich fündig geworden. Achja, der Song hieß Hit the road Jack!).
Tja, ab jetzt kann man sich höchstens mal im iTunes Store 30 Sekunden lang “nichts” anhören. Denn leider schneiden die sehr oft die Teile des Songs raus, bei denen man entweder nichts hört oder nur einen unwesentlichen Teil… Was soll’s!
Es ist natürlich gar nicht gut, wenn ehrliche Nutzer, die alles richtig machen, von solchen Maßnahmen betroffen sind.
Hier gilt es zu fragen, ob es technische Alternativen gibt, die besser funktionieren. Angesichts der gewaltigen Massen an Videos, die irgendwie Musik enthalten, scheidet eine manuelle Überprüfung in einem “zweiten Durchgang” vor der Löschung wohl aus.
Die ehrlichen Nutzer leiden hier darunter, dass es so viele andere gibt, die sich nicht an die Regeln halten. Wären Urheberrechtsverletzungen die Ausnahme, wäre eine manuelle Prüfung – nachdem die Software eine Datei als potenziell problematisch eingestuft hat – ja möglich.
Die Videos nur zu löschen, ist ja eine sehr zurückhaltende Art, mit den Verletzungen des Urheberrechts umzugehen. Die Betroffenen können froh sein, dass sie nicht verklagt werden.
Ich weiß nicht, wie weit das fair use-Prinzip in den USA reicht, ob davon Coverversionen, die einfach aus Spaß eingesungen werden, abgedeckt sind. Wenn ja, wäre das eine sehr vernünftige Lösung.
Bei uns gibt es kein fair use-Prinzip.
In Deutschland müsste für eine derartige Nutzung eine entsprechende Lizenz eingeholt werden. Komponisten und Texter haben schließlich auch Rechte, nicht nur die Musiker, die einen Song eingespielt haben. Schon wenn ein Song in einem Video nur gesummt oder gepfiffen wird, wäre das nach meinem Verständnis nötig.
Sinnvoll ist das nicht. Allerdings sollte nicht aus dem Blick geraten, dass hier eine kommerzielle Nutzung in großem Stil vorliegt. YouTube ist keine private Homepage, Google möchte damit schon Geld verdienen. (Wie gut das klappt, ist ja was anderes.)
Dass die Künstler und Rechteinhaber dabei nicht leer ausgehen dürfen, sollte selbstverständlich sein.
Wo man wirklich ansetzen sollte, ist meiner Meinung nach, ein einfaches System zur Lizensierung zu schaffen, die eine legale Verwendung von Musik ohne Aufwand ermöglicht.
Das war abzusehen. Die Tonqualität ist aber auch so schlecht, dass ich Youtube nicht als ernsthafte Konkurrenz für die Plattenindustrie sehen würde.