Filmverleih: Verliert Blockbuster den Kampf gegen das Internet?

Das Internet beschäftigt nicht nur die Musikindustrie, sondern stellt natürlich auch das Geschäft rund um Filme vor neue Herausforderungen. Dabei sprechen wir ausnahmsweise mal nicht über illegale Downloads, sondern die legale Vermarktung nach der Veröffentlichung. Denn wer geht heutzutage noch in eine Videothek (wieso heißen die überhaupt noch so?) und leiht sich einen Film? Konsequenz: Blockbuster, die weltgrößte Kette von DVD- und Videoverleihläden, kämpft mit großen Problemen.

Die Finanzergebnisse will das Unternehmen am 19. März veröffentlichen, Medienberichten zufolge sagte Bloomberg, Blockbuster habe am 3. März rechtlichen Beistand eingeholt, um die Details einer möglichen Insolvenzerklärung zu besprechen. Die Aktie fiel daraufhin ins Bodenlose, der Handel wurde ausgesetzt. Blockbuster erklärte daraufhin, der rechtliche Beistand diene nur dazu, „Initiativen rund um Refinanzierung und Kapitalbeschaffung“ auszuloten.

Blockbuster

Den letzten beißen die Hunde

Blockbuster bezeichnet sich selbst als „weltweit führender Anbieter von In-home Movie and Game Entertainment“. Die Kette verfügt über 7.500 Läden weltweit in Amerika, Asien, Australien und auch Europa (zum Beispiel Italien und Dänemark). Seit 2004 bietet Blockbuster einen Online-DVD-Verleih, bei dem die Auslieferung per Post erfolgt. Doch Internetangebote, Streaming, Downloads? Fehlanzeige!

Dabei schreibt ein User im Forum von Venturebeat, dass Blockbuster schon 1995 ein Team beauftragte, eine „On-demand digital delivery Plattform“ für seine Inhalte zu entwickeln. Aus irgendwelchen Gründen hat die Umsetzung in die Praxis aber wohl nicht funktioniert. Im November 2008 versuchte das Unternehmen, eilends noch eine Settop-Box auf den Markt zu drücken. Durch die Übernahme von Movielink wollte es eben auch mal noch schnell auf den Streaming-Zug aufspringen.

Das Problem: Bei all diesen Maßnahmen hat Blockbuster zu lang gewartet, und Konkurrenten können wie im Hase-Igel-Wettlauf rufen: „Ich bin schon lang hier!“. Der Online-DVD-Verleih von Netflix erfreut sich großer Beliebtheit und wie es ausschaut, wird der DVD-Versand des Unternehmens 2009 erstmals von der Zahl seiner Movie Streams überholt. Währenddessen grübelt Blockbuster wohl immer noch, wie es all die Läden und darin beschäftigten Mitarbeiter finanzieren kann.

Videoload mit freien Filmen und Serienflatrate

Im Januar hatte freshzweinull bereits über den Erfolg von Netflix berichtet und erklärt, dass auch andere Konkurrenten wie die Filmdownload-Portale Maxdome und Videoload nicht schlafen. Das bestätigen auch die neueren Entwicklungen. Seit Ende Februar bietet die Deutsche Telekom AG mit Videoload free eine Online-Videothek mit kostenlosen (zumeist älteren) Filmen, Serien, Musik- und Extremsportinhalten. Finanziert wird das durch Werbeeinnahmen.

Seit Anfang März bietet Videoload im kostenpflichtigen Bereich eine Serienflatrate an: Für 9,99 Euro stehen monatlich unbegrenzt Serien mit Formaten von Disney, Screen Gems (Sony) und Brainpool zur Verfügung. Darunter befinden sich „Desperate Housewives“, „Lost“ und „Grey’s Anatomy“, aber auch „Ladykracher“ und „Stromberg“. Die Mindestlaufzeit der Flatrate beträgt zwölf Monate.

Videoload

maxdome setzt auf HD und Zwischenspeichern

Wie der Internet-Provider 1&1 auf der CeBIT bekannt gab, können Nutzer seiner Online-Videothek maxdome ab Ende März zunächst 4.000 der 18.000 verfügbaren Filme auch auf der Festplatte zwischenspeichern und unterwegs zum Beispiel auf dem Notebook anschauen. Außerdem stünden noch im zweiten Quartal Filme in HD-Qualität auf der Plattform zur Verfügung. Zeitgleich will das Unternehmen seinen Kunden eine Settop-Box anbieten, die hochauflösende Bilder für den Fernseher ausgeben kann. Partner bei maxdome ist die ProSiebenSat.1 Media AG.

Wie es mit Blockbuster weiter geht, erfahren wir vielleicht bei der Pressekonferenz am 19. März. Oder auch wenn der rechtliche Beistand die geeigneten Maßnahmen gefunden hat. Mögliche Rettung sieht Venturebeat in der Kooperation mit Nintendo. Wenn Blockbuster seinen Online Service auf jede Wii bekäme (inklusive der bereits verkauften), sehe die Zukunft sicher rosig aus. Aber davor warten noch jede Menge Hürden.