Die CD in der Gosse: Der Niedergang eines einst beliebten Speichermediums

Ich bin keiner von denen, die oft sagen “Das hätt’s früher nicht gegeben!”, aber heute Morgen schoss mir der Gedanke mehrfach durch den Kopf. In meiner Straße war Müllabfuhrtag und beim Leeren der Tonnen muss irgendwie diese CD herausgefallen und auf der Straße gelandet sein. Die CD als Wegwerfartikel. Dabei ist es gerade einmal 20 Jahre her, dass CD-Player in deutschen Wohnzimmern Einzug gehalten haben, man die CDs noch vorsichtig mit den Fingerspitzen angefasst und nach jedem Hören gleich wieder in die staubsichere Hülle gesteckt hat. Heute, drei Technikgenerationen und haufenweise AOL-CDs später, sind wir wohl endgültig in der Wegwerfgesellschaft angekommen.

CD in der Gosse

Es passt irgendwie zusammen: Erst vergangene Woche habe ich mir bei Aldi eine 1.000-GByte-Festplatte gekauft, um bei mir zuhause das Ende der CD einzuläuten: Alles was noch so an Musik und Filmen herumschwirrt, kommt auf die Platte. CDs, die Relikte von damals, werden in der öffentlichen Sammelstelle entsorgt. Einfach in den Hausmüll stecken, darf man sie ja leider nicht. Genau: leider. Denn oft würde man das sehr gerne, zum Beispiel nach dem Kauf von Computermagazinen, die es heute ja kaum noch ohne eine höchst überflüssige CD oder DVD gibt.

Die nachfolgenden Generationen sind längst da

Vermutlich war AOL diejenige, die mit ihrer Software-Offensive in den 90er Jahren die Ehrfurcht vor der CD mit Füßen getreten hat. Jeder Computerzeitschrift von damals, jedem Werbeschreiben von AOL lagen sie bei, und jeder Haushalt dürfte im Schnitt zehn davon bekommen haben. Schon bald zogen die Computerzeitschriften mit ausgewählter Software auf CD nach. Das war im 56K-Zeitalter sehr angenehm. Heute aber braucht kein Mensch mit einem Breitbandanschluss mehr “die 100 besten Windows-Tools” oder fünf Linux-Distributionen auf CD oder DVD. Man kann sich diese viel besser auf immateriellem Wege über das Netz herunterladen.

Und genau das ist der Grund, warum ich optischen Datenträgern keine Träne nachweinen werde: Software, Musik, immer mehr Filme – alles gibt es inzwischen über das Netz. Die CD und ihr Nachfolger, die DVD, sind zu einem Umweg geworden, zu fehleranfälligen, nur begrenzt haltbaren Speichermedien. Die nächste Generation ist mit Speicherkarten und mobilen Festplatten, bald Solid State Drives (SSD), längst da. Und vielleicht schon ebenfalls bald wieder Schnee von gestern: Denn der Verzicht auf lokale Speichermedien und das Speichern der Daten im Netz (Cloud Computing) wird wohl der nächste Schritt sein.

Was wird das nächste Wegwerfprodukt?

Im Vergleich zur CD wird Cloud Computing die Umweltbilanz durch Serverfarmen mit gigantischem Energieverbrauch wohl nicht signifikant aufbessern. Aber zumindest müssen immer weniger CDs hergestellt und aufwändig entsorgt werden. Daten auf Knopfdruck ohne Umweg, ohne Kratzer, ohne Sprünge, ohne Plastikbox, ohne langatmige Formaterkennung. Ich könnte mir wahrlich einen größeren Verlust vorstellen, als eine Welt ohne CD und DVD.

Übrigens: Das oben eingefügte Foto habe ich aus Faulheit mithilfe meiner Digitalkamera und 10-fach optischem Zoom von meinem Balkon aus geschossen. Werden Digitalkameras die technische Erfindung sein, die dank Massenproduktion als nächstes auf der Straße landet? Vielleicht weil sie so billig werden, dass Canon oder Sony sie jedem Haushalt unterjubeln können? Ihr schüttelt den Kopf, aber ich finde die Idee gar nicht so abwegig. Lasst uns in 20 Jahren noch einmal auf die Straße schauen …


 
 
 
 

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