Solidarität: Blogger helfen Netzpolitik.org gegen Deutsche Bahn

Endlich wieder so ein Fall, in dem die Blogosphäre einmal nicht aufeinander schießt, sondern einträchtig zusammen hält. Denn einer von ihnen ist abgemahnt worden – von der Deutschen Bahn. Ausgerechnet die Deutsche Bahn, als hätte sie wegen der Ausspähung vieler Mitarbeiter und dem Abgleich offenbar aller Mitarbeiterdaten noch nicht genug Ärger am Hals. Getroffen hat die Abmahnung den Blogger Markus Beckedahl. Er hat auf seinem Blog Netzpolitik.org ein internes Memo zur Rasterfahndung bei der Deutschen Bahn veröffentlicht. Das gefiel der Bahn so wenig, dass sie von Beckedahl gefordert hat, das Memo zu entfernen und eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben. Doch Beckedahl bekam Hilfe von seinen Lesern – und die Bahn erlebt ihren zweiten Mediengau innerhalb einer Woche.

Nach der Abmahnung verständlicherweise eingeschüchtert bat Beckedahl um die Hilfe seiner Leser – hauptsächlich ebenfalls Blogger. Und die taten, was sie am besten können: die Meldung breit treten und für Aufmerksamkeit sorgen – zum Leidwesen der Deutschen Bahn.

Kommentator Ernst Hoppel beschrieb es unter Beckedahls Beitrag in weiser Vorahnung:

(…) Es ist natürlich ziemlich peinlich für die Bahn, dass sie soetwas nötig hat. Insofern sollte die Blogosphäre mal ein bisschen Wind machen, das kann sie ja ganz gut! :-)

Das Thema aufgegriffen haben seitdem unter anderem dhaunsch, Off the Record, ein taz-Blog, mari*us.zierold, Christian Rieger, das Upload-Magazin und – ach – eigentlich alle. :) Beckedahls Hilferuf auf Twitter verbreitete sich per Re-Tweet wie ein Lauffeuer. “Seriöse Medien” wie Heise, Zoomer und Focus Online berichten inzwischen darüber. Die Bahn ist damit mitten im nächsten Mediensupergau angekommen.

Das Dokument zu entfernen, ist gar nicht mehr möglich

Noch am Abend hat sich Beckedahl für diese schier unglaubliche Solidarität bedankt. Anwälte haben ihm rechtlichen Beistand versprochen, viele ihm auch finanzielle Unterstützung zugesagt, sollte es zu einem Prozess kommen. Das PDF-Dokument mit dem Memo, so Beckedahl, kann nun gar nicht mehr entfernt werden, weil es längst auf zahlreichen Websites weiterveröffentlicht wurde und auch über Bittorrent verbreitet wird.

Am Ende dürfte die Deutsche Bahn weit größeren ideellen Schaden davon tragen als Beckedahl, der die Folgen in einem Interview mit der Zeitrafferin Julia Seeliger schön skizziert:

Im Moment kann man mich durch Aufmerksamkeit unterstützen. Vielleicht erkennt die Deutsche Bahn AG ja von sich aus, dass das Vorgehen keine gute Idee war und beendet die Sache frühzeitig ohne Unterlassungserklärung und gut ist es.

Wenn die Blogosphäre will, kann sie also einig zusammenhalten. Warum eigentlich nicht immer so, fragt sich Uwe Ramminger von Alles2null. Fragen wir uns auch … :)

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