Nokia will Laptops anbieten, Schwellenländer bevorzugt

Ein Handyhersteller betritt gar nicht mehr so fernes Neuland: Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo gab gestern in einem Fernsehinterview seine Entscheidung bekannt, in den Laptop-Markt einzusteigen. Wie groß die Nokia-Laptops sein sollen, und wann Nokia sie auf den Markt bringen will, sagte er nicht. Aber konsequent wäre der Schritt allemal, nachdem nicht nur Kallasvuo erkannt hat, dass zwischen Handys und Computern kein großer Unterschied mehr besteht. Erst in dieser Woche hat Asus bekannt gegeben, ein Netbook mit Android zu bauen – Googles offenem Betriebssystem, das eigentlich für Handys gedacht ist. Kallasvuo sagte aber noch etwas sehr Interessantes:

Bereits heute machten hunderte Millionen Menschen ihre ersten Erfahrungen mit dem Internet mit dem Handy statt mit dem Computer, so der Nokia-Chef. Gerade in Entwicklungsländern mit schlecht ausgebauten Festnetzen, ist Mobilfunk oft der einzige Weg ins Internet. Eine These, die der Browser-Hersteller Opera erst gestern in seiner “State of the Mobile Web” gestützt hat. Das stärkste Wachstum mobiler Seiten, die mit dem Handy-Browser “Opera Mini” aufgerufen werden, hatte demnach zwischen Januar 2008 und Januar 2009 die Kaukasus-Republik Armenien. Es folgen Ukraine, Indonesien und Kasachstan – alles keine führenden Wirtschaftsnationen.

Ein Unterschied wie Laptop und Wohnzimmer-Flachbildschirm

In der Rangliste der Unique Visitors (eindeutige Besuche einer Website) führt Russland vor Indonesien, Ukraine und China. In diesen Ländern wird das Internet damit ganz anders wahrgenommen als in Deutschland und der westlichen Welt, wo man das mobile Internet zurzeit noch eher als Ergänzung sieht. Mobile Webseiten müssen deswegen in diesen Ländern deutlich mehr Komfort bieten und ganz anders aufgebaut sein.

Wenn Nokia seine geplanten Laptops vornehmlich in diesen Regionen anbieten will, dann dürfen wir uns vermutlich auf Geräte gefasst machen, die wenig mit bisherigen Laptops zu tun haben. Ich stelle mit gerade vor, ich hätte das Internet bisher nur auf dem Handy gesehen und bekäme nun einen 15-Zoll-Laptop. Das wäre, als würden Sie statt auf dem Laptop von nun an auf einen Flachbildfernseher mit 70 Zoll Bilddiagonale Internet “gucken”. Würde Ihnen das Spaß machen?


 
 
 
 

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