Google Latitude: Wissen, wo die Freunde sind
05. Februar 2009 - Jürgen Vielmeier
Die Freude hält sich in Grenzen: Google hat “Latitude” vorgestellt: eine Erweiterung für Google Maps auf dem Handy, das den Aufenthaltsort von Freunden zeigt. Es funktioniert bereits für viele Nokia-Handys und Smartphones mit dem Betriebssystem Windows Mobile. Latitude-Versionen für das Google-Handy G1 und das iPhone sollen in Kürze folgen. Einen solchen Service in Kombination mit einer Alarm-Funktion hatten wir vor einigen Wochen hier in der Theorie vorgestellt. Google Latitude kommt dem schon ziemlich nahe. Die Angst vor einer Ortung und Überwachung ist aber nicht ganz unberechtigt.
Google geht bei der Aktivierung die Google-Mail-Adressdatenbank des Anwenders durch und fragt, ob die “Freunde” eine Erlaubnisanfrage per Mail erhalten sollen. Heike Scholz beschreibt in ihrem (übrigens großartigen) Blog Mobile Zeitgeist, wie ihr bei der Nachfrage ganz anders geworden ist. Von ihren rund 500 Kontakten auf Google Mail seien mitnichten alles Freunde.
Kontakte müssen per E-Mail zustimmen
Der Gedanke, dass flüchtige Geschäftskontakte wirklich wissen sollten, wo sie gerade ist und was sie wahrscheinlich macht, schienen ihr ebenso wenig reizvoll, wie die Aussicht, sich durch die gesamte Adressdatenbank zu wühlen und die echten Freunde herauszufiltern. Deswegen schaltete sie Latitude lieber wieder ab. Matthias Kremp von Spiegel Online erhielt auf seine Erlaubnisanfragen per E-Mail keine Bestätigung. Ein Bekannter antwortete mit “Geht dich gar nichts an”.
Google verspricht, die Positionsdaten nicht zu speichern. Bewegungsprofile sollen sich damit nicht erstellen lassen, schon gar nicht von Dritten. Wer mit Latitude allerdings immer genau weiß, wo wir sind, auch wenn alle Bekannten ausgeschlossen sind, ist Google. Hat man sich allerdings erst einmal durch die Liste der Bekannten manövriert und Bestätigungen erhalten, klingt Latitude sehr interessant: Zum Beispiel kann man sich Wegbeschreibungen zum Aufenthaltsort der Freunde anzeigen lassen.
Diffus einstellbar, Google weiß es trotzdem
Wie genau man seine Position preisgibt, kann man selber und für jeden Kontakt einzeln bestimmen: Die besten Freunde dürften dann etwa sehen, in welcher Straße man gerade ist – für den guten Geschäftskontakt reicht der Name der Stadt. Eine metergenaue Ortsbestimmung, wie mit GPS möglich, bietet Latitude übrigens nicht. Interessant klingt der Dienst auf jeden Fall und die Angst vor der Überwachung könnte hier etwas zynisch sein.
Denn jeder Handybesitzer sollte sich darüber im Klaren sein, dass er selbst bei ausgeschaltetem Gerät jederzeit lokalisiert werden kann. Latitude tut erst einmal nichts mehr, als den Standort auf einer Karte darzustellen, und zwar nur für die zugelassenen Freunde – und natürlich für Google…



