Freies WLAN für Berlin noch immer zum Scheitern verurteilt

Der Berliner Innenstadt soll kostenloses Internet über WLAN bekommen. Das hat der Senat nun erlaubt, nachdem es eigentlich schon vor drei Jahren beschlossen (!) worden war. Zwei Pilotprojekte sollen nun in Kürze rund um die Friedrichstraße, Unter den Linden, Ku’damm und Tauentzienstraße entstehen. Aber ohne das Projekt schlecht reden zu wollen: Es spricht einiges gegen einen Erfolg, wie drei Negativbeispiele zeigen.

Auch in anderen Städten wurden flächendeckende WLAN-Programme zum Planungsstart noch bejubelt. Später hat man gar nichts oder zumindest nichts Gutes mehr von ihnen gehört.

Beispiel Silicon Valley: Im September 2006 kündigt ein Konsortium aus IT-Unternehmen wie IBM und Cisco großspurig an, das gesamte Silicon Valley mit einem flächendeckenden WLAN auszustatten, auf einer Fläche dreimal so groß wie Berlin. Doch schon wenige Monate später liegt der Aufbau weit hinter dem Plan zurück, beteiligten Unternehmen geht das Geld aus, und als sich vor einem Jahr tatsächlich noch ein Sponsor findet, sagt dieser, der ursprüngliche Plan sei vielleicht ein bisschen zu ambitioniert gewesen, man müsse ja auch irgendwie Geld damit verdienen. Ob das Netz angesichts zahlreicher Hotspots und immer preiswerter DSL-Anschlüsse jemals gebaut wird: unwahrscheinlich.

Beispiel Boston: Bürgermeister Thomas Menino setzt im Frühjahr 2006 eine Taskforce auf, um die Studentenstadt an der US-Ostküste mit einem WLAN-Netz auszurüsten. Im Januar 2007 liegt das Projekt bereits auf Eis. Der Bürgermeister betraut eine Wirtschaftsfunktionärin mit dem Projekt, die sich sicher ist, die Stadt bis Ende 2008 zu versorgen. Bisher ist das nicht passiert. Kostenlos sollte das Netz auch nicht sein, sondern Gebühren zwischen zehn und zwölf US-Dollar pro Monat mit sich bringen.

Beispiel Singapur: Die Metropole in Südostasien soll ein stadtweites WLAN bekommen, verordnete die Regierung im Rahmen eines Innovationsplans im Dezember 2006. Anders als bei vielen anderen Beispielen wird das Netz mithilfe der Wirtschaft in dem Stadtstaat auch tatsächlich gebaut. Von flächendeckend kann dabei aber keine Rede sein. Es gibt diverse Hotzones, in denen das auf 512 KBit/s beschränkte Netz genutzt werden kann. Effektiv finden WLAN-fähige Geräte das Netz aber nicht einmal, fand ich bei einem Urlaub dort im vergangenen Oktober heraus. Ein Bekannter sagte dazu lakonisch: “Ja ja, das gibt’s hier. Benutzt aber keiner, weil man es nirgendwo empfängt und jeder von seinem Mobilfunkanbieter ein Datenpaket hat.”

WLAN-Roaming wäre ein Segen

Die Schlussfolgerung aus all dem? Dass WLAN-Netze womöglich der falsche Ansatz sind, noch dazu, wenn die Öffentliche Hand die Planung übernimmt. Mobilfunkanbieter wie hierzulande T-Mobile oder Vodafone können eine Kombination aus Internet über Mobilfunk (UMTS, HSDPA) und WLAN-Hotspots viel wirtschaftlicher aufbauen und anbieten.

Eine mögliche Lösung wäre hierbei ein Roaming wie es beim Mobiltelefonieren seit Jahren praktiziert wird: Ist mein Anbieter O2 und besitzt in einem Gebiet nicht genug Leitungskapazität, dann schaltet O2 auf das T-Mobile-Netz um. Es wäre ein Segen, wenn das auch mit WLAN-Hotspots und UMTS/HSDPA möglich wäre.

4 Gedanken zu „Freies WLAN für Berlin noch immer zum Scheitern verurteilt“

  1. Ich wäre schon mit einem WLAN-Netz in der Schule zufrieden. Dann fehlt mir nur noch ein Gerät mit dem ich darauf zugreifen kann :D

  2. Hehe, das könnte echt noch besser, was? Aber tröste dich: WLAN auf dem Handy wird langsam zum Standard. Und wenn du zu den 95 Prozent der Schüler gehörst, die angeblich eins hat, wirst du’s früher oder später auch bekommen. WLAN in der Schule fehlt da natürlich noch. Aber ich mag mir auch nicht ausmalen, was in den Schulen los wäre, wenn alle ein Smartphone mit mobilem Internetzugang hätten. ;)

  3. Ich fand die Lissabonner Lösung super: Kostenloses WLAN in allen städtischen Parks.

    Mal im Ernst, man muss nicht an jedem Strassenrand WLAN haben, und das Missbrauchspotential ist bei einer flächendeckenden Lösung sehr hoch. Aber wenn man mal überlegt, wo man sich tatsächlich mit dem Laptop hinsetzen und WLAN haben will, so denke ich an Café etc., die ihre eigenen Hotspots betreiben können, Bahnhöfe, die leider nur kostenpflichtige Lösungen haben, und eben Parkanlagen und Promenaden. Da Parkanlagen als städtische Erholungsgebiete eh einigermassen gleichmäßig über den städtischen Raum verteilt sind, so dass man innerhalb weniger Minuten Fußweg zum Nächsten gelangen kann, finde ich die Abdeckung recht gut, bei recht geringem Aufwand. Als zusätzlichen Effekt hat man einen weitere Attraktor für die Grünflächen, was sicherlich auch der Gesundheit der Nutzer des WLANs zuträglich ist. Ich vermisse Lissabon…

  4. WLAN Überall ist schön ein schöner Luxus, den man nicht mehr gerne her gibt, aber man kann doch nicht von der Stadt erwarten, dass sie für alle WLAN zur Verfügugn stellt. Zuhause bezahlen wir unser Internet doch auch selbst und für mobiles Telefonieren zahlen wir doch auch selber. Also warum sollte da die Stadt mobiles WLAN bezahlen??

    Schule ist da was anderes, da die Schule es zur Verfügung stellt. Ans Unis ist es ja meist auch so, dass die Uni WLAN zur Verfügung stellt.

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