Monatsarchiv für Januar 2009

 
 

Obamas Antrittsrede: Medienspektakel ohne Gleichen

Morgen noch nichts vor? Wenn nein, könnten Sie sich die Amtseinführung von Barack Obama im Fernsehen anschauen – denn obwohl wir erst Januar haben, scheint es schon jetzt das Medienereignis des Jahres zu werden. Nach seinem Amtseid gegen 12 Uhr Ortszeit (18 Uhr unserer Zeit), wird er seine Antrittsrede halten. n-tv sendet live, wenn auch wohl kaum so lange wie NBC mit geschlagenen 21 (!) Stunden inklusive Rahmenprogramm. Vor Ort erwartet werden mindestens 1,5 Millionen Besucher, mehr als 1.000 Fernsehjournalisten haben sich angekündigt. Hulu wird auch von George W. Bushs Abschiedsrede einen Livestream senden, Ustream die Einführungsrede von Obama auf das iPhone streamen. CNN blendet während der Live-Übertragung Statusänderungen von Facebook-Nutzern auf der Mattscheibe ein, Fox kontert das mit einer Live-Diskussion auf seiner Facebook-Seite. Der Online-Videodienst C-Span lässt seine Besuchern aus gleich vier verschiedenen Kameraperspektiven wählen. Weitere Livestreams sind unter anderem im Webangebot der New York Times und USAToday.com zu sehen. CNN experimentiert darüber hinaus mal wieder mit dem 3D-Fernsehen: Besucher der Antrittsrede sollen ihre eigenen Videos aufnehmen und einschicken, woraus der Fernsehsender mithilfe von Microsofts Photosynth-Technologie ein 3D-Computermodell für die Nachwelt erstellt. Das alles klingt nach einem noch weit größeren Medienzirkus als am Tag der Präsidentschaftswahl im November. Die spinnen, die Amis. Ist eben doch eine andere Kultur, auf der anderen Seite vom Großen Teich.

computerwoche.de, techcrunch.com (Übersicht 1), gigaom.com (Übersicht 2), pressetext.at (CNN/3D)

Videos: Wikipedia erobert neue Online-Welten

Mehr als sechs Millionen US-Dollar Spendengelder hat die hinter der Internet-Enzyklopädie Wikipedia stehende Stiftung seit Juli 2008 gesammelt. Und nun wissen wir auch wofür: Das Geld wird für die Weiterentwicklung der Software, für mehr Bandbreite, neue Server und Datenspeicher verwendet. Damit rüstet sich Wikipedia für die Integration hochqualitativer Videos und damit den endgültigen Sturz traditioneller Enzyklopädien. Bislang konnte beispielsweise der Brockhaus noch mit seinem 3D-Atlas und dem „Gläsernen Mensch” faszinierende Einblicke gewähren. Aber wie lange ist das dann noch ein Wettbewerbsvorteil? Auch bisher konnten Wikipedia-User schon copyrightfreie (Dokumentar)-Filme und Musik einstellen. Allerdings lag das Upload-Limit für Multimediainhalte bei 100 Megabyte, der Gesamtspeicherplatz bei 48 Terabyte. Die Hunderte Millionen Nutzer von Wikipedia werden die sich ihnen neu eröffneten Chancen gerne wahrnehmen – als Konsumenten u n d Produzenten.

pressetext, gulli.com

Kleine Schmankerl:
Die Wikipedia-Hitliste des Jahres 2008, Die kuriosesten Wikipedia-Artikel

Skandal: Bezahlt Belkin für Amazon-Rezensionen? (Update)

Geld für gute Rezensionen: Ein Vertreter von Belkin, einem US-Hersteller für Peripheriegeräte, bietet Honorar für die 100-prozentig positive Bewertung bestimmter Unternehmensprodukte bei Amazon.com und anderen Online-Händlern. Wie die Webseite “The Daily Background” herausgefunden haben will, gibt es in Amazons Dienst “Mechanical Turk” eine entsprechende Anzeige, die von dem Belkin-Mitarbeiter Mike Bayard eingestellt wurde. Darin fordert Bayard auf, möglichst hohe Bewertungen für ein Produkt abzugeben, unabhängig vom tatsächlichen Erwerb oder realen Erfahrungen damit. Jede positive Rezension würde mit 65 Cent vergütet. Nach Recherchen von “The Daily Background” bezahlt Bayard auch für Bewertungen bei Buy.com und Newegg. freshzweinull hat die deutsche Vertretung von Belkin um eine offizielle Stellungnahme dazu gebeten.

Update, 10:44 Uhr: Karsten Kunert, Pressesprecher von Belkin Deutschland, nennt die Geschichte gegenüber freshzweinull “unglaublich”. Es handele sich um einen Einzelfall und sei nicht Teil der Firmenphilosophie. Belkin International distanziert sich in einer offiziellen Presse-Erklärung von Mike Bayard und erklärt, man habe alle eigenen Anzeigen von Amazons “Mechanical Turk” vorsorglich gelöscht. Der Verdacht liegt jedoch nahe, dass positive Eigenrezensionen von Verlagen und Herstellern gängige Praxis sind und sich in diesem Falle nur jemand erwischen ließ.

Daily Background, Crunchgear, Amazon Mechanical Turk

Lycos gibt Webbaukasten Tripod und Webmailer auf

Schluss mit Nostalgie: Das Internet-Unternehmen Lycos kündigte am Wochenende an, neben seinem E-Mail-Dienst bis Mitte Februar auch das Webhosting-Angebot “Tripod” einzustellen. Tripod bietet einen werbefinanzierten, kostenlosen Webspace und richtet sich seit dem Beginn als Startup 1995 vornehmlich an Privatpersonen und Studenten. Auch freshzweinull-Redakteure unternahmen damit in den 90er Jahren ihre ersten Gehversuche im Web – da werden noch einmal Erinnerungen wach. Lycos übernahm Tripod im Jahr 1998 für 58 Millionen US-Dollar und wurde seinerseits im Jahr 2000 von der spanischen Telefónica-Gruppe gekauft – für astronomische 5,4 Milliarden US-Dollar. Das war gleichzeitig der Anfang vom Ende, der sich nach wie vor hinzieht und doch unabwendbar scheint. Vergangenen November gab die europäische Tochter Lycos Europe – ein Jointventure mit Bertelsmann – ihre Auflösung bekannt. Scheint nun also, als ginge es auch mit der Konzernmutter zuende. Laut Comscore gehört Lycos dennoch nach wie vor zu den fünf weltweit größten Online-Portalen und zu den 15 meist besuchten Websites der Welt.

2.0 der Woche: YouTube-Playlist – gelungener 2. Versuch

Im Herbst stellten wir mit Plis Tube ein Angebot vor, mit dem man seine eigene Playlist aus YouTube-Videos zusammenstellen kann. „Manchmal überzeugt die Idee mehr als die Umsetzung“, schrieben wir damals und „alles ist möglich, nur noch nicht allzu benutzerfreundlich“. Heute vermelden wir das Gegenteil: Wir haben ein Angebot gefunden, bei dem – zum Glück – nicht alles möglich ist, das dafür aber sehr benutzerfreundlich ist. Playlists von YouTube-Videos – genial einfache Idee, klasse umgesetzt von einer Gruppe von Studenten und auf den internationalen Markt ausgerichtet. Das – abgesehen von der Tatsache, dass die Seite einfach funktioniert – vielleicht Schönste, ist das Fehlen jeglichen Community-Schnickschnacks. Unbedingt ausprobieren: youtube-playlist.eu.

In eigener Sache: freshzweinull kooperiert mit Pocketbrain

Es geht sofort los: freshzweinull schließt eine Kooperation mit dem Nachrichtenportal Pocketbrain.de. Seit über einem Jahr verfolgt Pocketbrain täglich brandaktuell die neuen Trends auf dem Smartphone-Markt und berichtet als erstes Online-Fachmagazin in diesem Bereich über die faszinierende, noch junge Welt des mobilen Internets. Ab sofort finden Sie jede Woche einen ausgesuchten Beitrag von Pocketbrain auf yuccatree.de. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und hoffen, Ihnen damit noch mehr interessanten Lesestoff zu bieten!

Rausgefischt: Breitband für alle, turi2, Twitter

Kurznachrichten aus dem weiten Ozean des Internets. Hier der Fang der Woche:


In eigener Sache

  • yuccatree.de twittert: Die schnellsten Webnews brandheiß auf unserem Kanal.
  • freshzweinull kooperiert mit Pocketbrain.de. Ausgesuchte News aus der Welt des mobilen Internets ab sofort einmal die Woche hier auf unserer Seite.

Basicthinking.de verkauft – Kampf um die Thronfolge

Spannender Abschied: Robert Basic hat sein Blog Basicthinking.de bei eBay für 46.902 Euro verkauft. Minuten vor Auktionsende lag das Höchstgebot noch bei gut 33.000 Euro. Kurz vor Schluss überboten sich dann noch drei Interessenten. Den Zuschlag erhält der Kölner Internetunternehmer Thomas Strohe, Gründer des Serveranbieters Serverloft.de, der die Basicthinking-Leser noch am Abend in einem Blogeintrag und einem Interview begrüßt hat. Strohe kündigt darin an, das Blog im Sinne von Robert Basic weiterzuführen und auch weiterhin über das Internet zu bloggen. Bereits heute soll es die ersten Einträge geben. Basic selbst ist erst einmal abgetaucht.
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Twitter schnellstes Medium bei Notwasserung in New York

Ein Airbus verpasst gestern Nachmittag (Ortszeit) die Landebahn in New York und legt eine Notwasserung im Hudson River hin. Alle Passagiere werden gerettet, und das erste Foto davon ist bereits Minuten später auf Twitpic zu sehen – einem Twittertool für Fotos. Der unbescholtene Bürger Janis Krums hat es von seinem iPhone getwittert. Er ist zur gleichen Zeit auf einer Fähre im Hudson River unterwegs, die den Passagieren zur Hilfe eilt. Diverse Blogs loben Twitter damit – wie schon bei den Terroranschlägen von Mumbai – als schnellstes Medium der Welt. Diesmal zu Recht, denn es gibt nicht nur leeres Geschwätz, Rauschen und Mutmaßungen, sondern eben mit einem echten Foto etwas Handfestes. Während dessen stellen andere Augenzeugen ihre Fotos auch auf Tumblr und Flickr hoch, NowPublic bringt eine Croud-gesourcte Story dazu und CNN interviewt Janis Krums als ersten Augenzeugen. An solchen Tagen lernt man die 2.0-Medien wirklich zu schätzen.

US Airways

Ansgespielt: Urban Rivals – Kartenspiel der Extraklasse

Urban Rivals ist ein Kartenspiel – aber sicherlich kein Kartenspiel, wie Sie es gewöhnt sind. Statt Karo, Herz, Dame, Ass und Konsorten sind auf den Karten Charaktere und ihre Spezialfähigkeiten abgebildet, denn Urban Rivals ist ein Trading Card Game: Sie sammeln verschiedene Karten und bilden daraus Ihre Mannschaft, mit der Sie – Runde für Runde – gegen andere Spieler antreten. Taktik spielt dabei eine große Rolle.
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