Nigeria-Connection hackt Facebook-Accounts und gibt sich als Freund aus

Das ist schon weit beunruhigender als bisher gewohnt: Die Nigeria-Connection, seit den 90er Jahren bekannt für E-Mail-Scams, hackt sich in die Benutzerkonten ganz normaler Facebook-Mitglieder. Als Freund getarnt, meldet sie sich im Chat bei alten Bekannten und versucht, sie mit einer Masche, um Geld zu betrügen. Das geht aus einem interessanten Chat-Protokoll auf Facebook hervor, das vom US-Branchenblog Alley Insider veröffentlicht wurde. Evan, ein Bekannter der Redaktion, wurde auf Facebook von seinem alten Highschool-Freund “Calvin” angechattet. Calvin behauptete, gerade in London und dort von einer Gang ausgeraubt worden zu sein. Jetzt brauche er 900 US-Dollar, um das Rückflugticket und Hotelrechnungen zu bezahlen.

Evan wundert sich, was sein alter Highschool-Kumpel in London macht, überlegt, ihm zu helfen, wird dann aber misstrauisch, weil sein alter Freund auf einmal so schlechtes Englisch spricht. Er stellt ihm eine Testfrage aus der gemeinsamen Vergangenheit, die Calvin nicht beantworten kann, bohrt nach und enttarnt schließlich den Nigerianer. Dieser heißt nun plötzlich Tunde, lebt in Lagos und sagt, er brauche Geld um seine Studiengebühren zurückzuzahlen.

Gestrandet in Lagos, London, Moskau, …

Das Hacken fremder Benutzeraccounts ist eine deutlich kriminellere Masche als bisher, dürfte aber leider auch erheblich wirksamer sein. Wenn sich alte Freunde melden, in Not sind und um Hilfe flehen, werden sicherlich viele jede Vorsicht über Bord werfen. Die Geschichte verdeutlicht damit die Notwendigkeit, selbst auf einer eigentlich sicheren Plattform wie Facebook immer eine gesunde Portion Misstrauen beizubehalten.

Die Nigeria-Connection fiel bislang hauptsächlich mit einer eher harmlosen Spam-Masche auf. In weit gestreuten E-Mails bitten sie die Empfänger, einige tausend Dollar an ein zwielichtiges Bankkonto zu überweisen. Das Geld sei dazu da, um eine Transaktion in Höhe etlicher Millionen Dollar in die Wege zu leiten, an denen der Empfänger beteiligt werde. Kaum jemand fiel auf diesen Betrugsversuch herein. Im November fielen Nachrichten der Nigeria-Connection erstmals auch bei Facebook auf. Ähnlich wie “Calvin” schickte dort ein Nigerianer Nachrichten an andere Benutzer und behauptet darin, in Lagos “gestrandet” zu sein.


 
 
 
 

3 Kommentare zu “Nigeria-Connection hackt Facebook-Accounts und gibt sich als Freund aus”

  1. Andreas Beer - 25. Januar 2009 um 13:11

    ja wie gesagt, ich bekam vor ein paar tagen auch eine freunschaftseinladung auf facebook. weil ich schon seltsames vermutete, wollte ich mir das profil doch mal genauer anschauen, hab angenommen, wurde auch direkt angechattet. ein blick auf die freundesliste zeigte aber sofort lagos in nigeria als quelle an, also sofort wieder rausgeschmissen. nur seltsam dass facebook keinen “report abuse” button unter benutzerprofilen hat, da ist studivz in einer hinsicht vorraus.

  2. Redaktion - 25. Januar 2009 um 13:38

    Der Unterschied ist ganz einfach der, dass sie diesmal die Accounts deiner Freunde benutzen, die du schon lange kennst. Also: Ich bekäme von DIR über Facebook die Nachricht, dass du in New York wärst und gerade ausgeraubt wurdest. Klar, ich würd mich wundern, warum du plötzlich auf schlechtem Englisch mit mir redest, statt bisher auf Deutsch. ;) Aber wenn ich aus England oder USA käme… Ich denke, da werden durchaus ne Menge Leute drauf reinfallen.

  3. Unbekannte hacken Rapper Kayne Wests Twitter-Account | freshzweinull +++ - 28. Januar 2009 um 16:29

    [...] Wochenende wurde bekannt, dass sich auch die Nigeria-Connection in die Nutzerkonten unbescholtener Facebook-Nutzer einhackt. Den Freunden der gestohlenen Identitäten gaukeln sie dann vor, sich in Not zu befinden und Geld [...]

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