Nach Wikipedia-Sperre: Scorpions-Cover auf den Index?

32 Jahre her und plötzlich wieder Stein des Anstoßes: Die britische Online-Aufsicht Internet Watch Foundation (IWF) hat einen Wikipedia-Eintrag der deutschen Rockband “The Scorpions” blockiert. Der Beitrag wurde von sechs britischen Providern gesperrt und ist auf Wikipedia derzeit nicht mehr editierbar. Grund ist das Plattencover des Scorpions-Albums “Virgin Killer” aus dem Jahr 1976, auf dem ein vielleicht zwölfjähriges Mädchen nackt posiert. Die IWF hat das Bild als Kinderpornografie eingestuft und den Wikipedia-Eintrag über das Album auf eine Ausschlussliste gesetzt. Weil die sechs Provider dieser Liste als einer Art Selbstkontrolle vertrauen, kann die Seite von 95 Prozent der Briten nicht mehr angesteuert werden. In Deutschland ist sie aber nach wie vor zu erreichen. Die Freiwillige Selbstkontrolle in Deutschland will das Bild aber jetzt auf den Index setzen.

Die Wikimedia-Foundation wehrt sich gegen die Sperrung und hofft, dass dieses Beispiel nicht Schule machen wird. Immerhin sei die Veröffentlichung des Bildes von den Autoren des Beitrags kontovers diskutiert worden sowie in Plattenläden und auf anderen Websites weiterhin frei zugänglich, sagte eine Sprecherin der Online-Enzyklopädie. Das Cover an sich war schon immer Stoff für Diskussionen und wurde vor der Veröffentlichung in anderen Ländern wie Japan mit einem alternativen Bild ersetzt, auf dem statt des Mädchens die Band posiert. Der damals 22-jährige Scorpions-Gitarrist Uli Jon Roth, der die Idee zum Titelsong “Virgin Killer” hatte und heute Solo-Künstler ist, bereut heute die Verwendung des Covers und bezeichnet seinen damals ausbleibenden Protest gegen die Verwendung als Unreife. Das Bild passe obendrein überhaupt nicht zum Songtext und der Aussage des Albums, in dem es um die Zeit als Mörder der Jugend und Unschuld gehen sollte. Auch Scorpions-Gründer Rudolf Schenker bereut das Bild: Kinderpornografie war damals noch kein Thema, die Zeiten waren andere. “So etwas würden wir nie wieder machen”, sagte Schenker der “Hannoverschen Allgemeinen Zeitung”.

welt.de, sueddeutsche.de, haz.de


 
 
 
 

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