Terroranschläge: Twitter taugt nur bedingt als Krisenmedium
27. November 2008 - Jürgen Vielmeier
Bei den verheerenden Terroranschlägen in der indischen Hafenstadt Mumbai haben Nutzer von Twitter und Flickr das Fernsehen bei der Aktualität der Nachrichten deutlich geschlagen. Das meinen relativ einstimmig einschlägige Technikmagazine. Selbst Augenzeugenberichte wurden als Kurzmeldungen via Twitter und Blogs oder als Fotos ins Netz befördert, als Nachrichtensender wie CNN noch lange nicht vor Ort waren. Ein fraglicher Triumph. Zwar hat Twitter damit bewiesen, dass es im Prinzip eines der nützlichsten Webtools ist und zu mehr taugt, als den üblich belanglosen Meldungen wie “Ich geh mir mal nen Kaffee holen”. Auf der anderen Seite aber drohen schreckliche Terroranschläge mit mehr als hundert Toten dadurch zum Medienevent zu verkommen.
Stumpft der konsumierende Webnutzer nicht ab, wenn er bei Twitter Live-Berichte von Konferenzen, Shows oder Wohnzimmer-Talks liest und zwischendurch verfolgt, wie Menschen von Terroristen erschossen werden oder knapp dem Tod entkommen? Der Tod von vielen Menschen als nur eines von vielen Ereignissen? Und noch etwas anderes beklagt Spiegel-Online-Redakteur Christian Stöcker: Die anfänglichen Originalmeldungen gingen schon bald im Rauschen der Twitter-Nutzer unter, die etwas zu den Anschlägen sagen wollten, ohne etwas gesehen zu haben. Tatsachenmeldungen waren schon bald nicht mehr von anderen zu filtern. Twitter als Krisenmedium taugt also nur bedingt. Seine Schnelligkeit hat der 140-Zeichen-Dienst damit bewiesen. Im Raum stehen bleibt aber die Frage, ob es wirklich notwendig ist, dass Twitter, Flickr, Blogs, Videostreams und YouTube live dabei sind, wenn Menschen sterben.




Die Sorge betreffend der Abhaertung durch Gewalt ist gerechtfertigt. Allerdings frage ich mich, wieso diese Sorge aufkommt, wenn es darum geht, die Realitaet zu betrachten, und wo man Menschen wirklich leiden sieht. Hat noch niemand gemerkt, dass das Fernsehen viel schlimmer und effektiver darin ist, die Menschen, und speziell die Kinder, tagtaeglich abzuhaerten? Wenn wir Menschen in Wirklichkeit leiden sehen, dann sollten wir unser Moeglichstes tun, ihnen zu helfen. Vielleicht waeren wir sensibler, wenn wir mehr auf unsere Mitmenschen schauen wuerden, als in die Flimmerkiste.
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