Scheiß Internet ohne Bedeutung und Überlebenschance
11. November 2008 - Redaktion
Ein sterbender Patient durchläuft laut Kübler-Ross verschiedene Stadien: von der Verleugnung, über Wut, Verhandeln, Niedergeschlagenheit, bis schließlich hin zur Akzeptanz. Diese Theorie kommt einem in den Sinn, wenn man die Zitate von Prof. Wolfgang Lorenz, Programmdirektor Fernsehen des ORF, anlässlich der Podiumsdiskussion „Wem gehört die Öffentlichkeit?“ betrachtet: „Die Jungen verkrümeln sich ins Internet“, und es sei ihm sowieso „scheiß egal, was da drinnen steht und was Jugendliche darin machen“, so Lorenz.
Das klingt, als ob Herr Lorenz noch mitten im ersten Stadium der Verleugnung fest steckt. Na ja, das Internet ist ja auch noch sooo neu und wird laut AGOF hierzulande gerade mal von 65 Prozent – also knapp 42 Millionen Menschen – genutzt. Emotional geladen erklärte Lorenz dem Publikum, das größtenteils aus jungen Menschen bestand, dass Jugendliche oft die Realität vernachlässigen und sprach ihnen jegliches Bildungsinteresse ab. Na gut, das klingt schon ein bisschen nach Stadium 2: Wut.
Schließlich verkündete er, dass Internet habe keinerlei gesellschaftliche Relevanz, es sei sinnlos und hätte keine Überlebenschance. Herr Lorenz hat also noch einen weiten Weg bis zum Verhandeln und zur Akzeptanz,
- dass die jungen Menschen auch Gebühren zahlen und bei solchen antiquierten Ansichten das „Leitmedium Fernsehen“ vielleicht bald als überflüssig erachten,
- dass sich das Internet generationsübergreifend etabliert hat,
- dass ORF.at als meistbesuchte Internetseite in Österreich kräftig Umsatz mit Werbung erwirtschaftet und somit vielleicht auch seinen Job finanziert, …
Wir wünschen Herrn Prof. Lorenz jedenfalls – ganz im Sinne von Kübler-Ross – viel Erfolg auf seinem Weg!
ChiLLi.cc, Sebastian Bauer (Augenzeuge), Schneeengel.de, ScheissInternet.at (Tweetsammlung)




Wundern tut’s mich keineswegs. Wer sich das schwache Programm des ORF anguckt würde auch niemand anders als eine reallitätsfremde Person alla Hrn. Lorenz erwarten.
Ich könnte mich immer wieder beißen, wenn die zweimonatige Überweisung für die GIS fällig ist…
Warum sollte es wohl bei den Ösis anders sein als bei uns?
Ein minimales Bildungsfernsehen im Stil von Phoenix würde auch hierzulande völlig reichen an ÖR-Fernsehen. Ohne Sport und vor allem ohne drittklassige Soaps, Fernsehfilme und Samstagabendshows. Dann wären auch die Gebühren nicht übel hoch.
Unterschreib!
[...] weltfremde Ansicht des ORF Programmchefs zum Thema Internet… Diskutier mit im Forum! http://forum.macmaniacs.at [...]
Da geb ich CRen vollkommen recht – wenn ich mir überlege, was mich Gottschalk und seine blöden Gästen und die vom Unterschichten kopierten Soaps (neudeutsch: Telenovelas) kosten – mir wird speiübel…