Entwicklungs-Flops, Entlassungen: Google in der Krise

Mit SearchMash ist ein schon wieder ein Google-Projekt „den Weg des Dinosauriers gegangen“. So steht es zumindest auf der Startseite der experimentellen Suchmaschine. In letzter Zeit mehren sich die gescheiterten Entwicklungsprojekte von Google, darunter Page Creator, die Firefox Plugins BrowserSync und Send To Phone sowie AdSense Referal. Hinzu kommt das Aus für den prominenten, Second-Life-artigen 3D-Chat “Lively” vergangene Woche. Ist die Google-Magie am Ende?

Fängt man erst einmal an zu suchen, finden sich plötzlich einige Hinweise auf Googles sinkenden Stern: das nicht mehr kostenlose Kantinenessen und das Ende der pompösen Weihnachtsfeiern zum Beispiel. Einsparungen solcher Art sind meist die ersten Anzeichen für einen Sparzwang. Der technisch revolutionäre Browser “Chrome” dümpelt trotz des Mediencoups des Spätsommers bei weeeiiit unter einem Prozent Marktanteil herum. Und nun will Google sich von einem “signifikanten Anteil” seiner Mitarbeiter mit befristetem Arbeitsverhältnis trennen. Das könnte bis zu 10.000 Menschen und damit die Hälfte der Belegschaft treffen. Technik-Insider Henry Blodget sieht für Google-CEO Eric Schmidt inzwischen den besten Zeitpunkt um abzutreten. Schmidt hat den Umsatz während seiner siebenjährigen Regentschaft von 0 auf 20 Milliarden US-Dollar hochgewirtschaftet. Bessere Zeiten seien erstmal nicht zu erwarten, meint Blodget. Die Krise ist also längst da.

Kein Wunder, findet Lars Reppesgaard, Autor des Buchs „Das Google-Imperium”. Er erinnert daran, dass Microsoft-Chef Steve Ballmer Google einmal als ein „One Trick Pony” bezeichnet hat, also als Unternehmen mit nur einem echten Standbein. Google sei heute immer noch zu 99 Prozent davon abhängig, wie sich das Geschäft mit Internetanzeigen entwickelt. Viele Ressourcen werden investiert, um das zu ändern. Reppesgaard sieht Google als „brillante Firma, die es immer wieder schafft, durch einfach anzuwendende und smarte Angebote Millionen Nutzer für ihre neuen Produkte zu gewinnen“.

Aber zum einen generieren die anscheinend einfach nicht genug Umsatz. Zum anderen scheint Google nach dem Trial & Error-Prinzip zu verfahren, Dinge also einfach auszuprobieren, auch auf die Gefahr hin, dass viele von ihnen schief gehen. Eine finanziell attraktive Alternative dazu scheint Schmidt nicht gefunden zu haben. War der Rotstift an der Einstellung der Google-Entwicklungsprojekte schuld? Personalwechsel? Die Ideen doch nicht so gut? Wir wissen es nicht. Woran die Dinosaurier gestorben sind, ist ja auch noch nicht abschließend geklärt. Vielleicht hat Google einfach nur mal eine Verschnaufpause eingelegt – wie übrigens die meisten US-Konzerne angesichts der Finanzkrise – und ein paar gute neue Ideen nötig.

helmschrott.de (über Search Mash), googlewatchblog.de (Voting), cio.de

nc, jv


 
 
 
 

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