Die 12 nützlichsten Erfindungen des Web 2.0

Blogs, Wikis, Podcasts und RSS, das ist das, was man gemeinhin mit Web 2.0 verbindet – und woran man auch erkennt, dass das Web 2.0 mittlerweile in die Jahre gekommen ist. Mit aktuellen Trends wie dem Mobile Web, der semantischen Suche und der einfachen Kommunikation auf allen Medien steht die nächste Generation schon in den Startlöchern. Was wird dann von Web 2.0 noch im Gedächtnis bleiben, weil es die Entwicklung des Webs wirklich vorangetrieben und sich für die breite Masse als nützlich erwiesen hat? Freshzweinull zeigt die wichtigsten aber auch die meist überschätzten Entwicklungen in einer zweiteiligen Serie. Teil 1: Die 12 nützlichsten Erfindungen des Web 2.0.

Videoportal und Medienrevolution: YouTube

YouTube-LogoWenn man die wichtigste Erfindung des Web 2.0 sucht, die jeder kennt, über die jeder spricht und die die Mediennutzung auf dreifache Weise ganz entscheidend verändert hat, dann bleibt nur ein Webangebot zu nennen: YouTube. Die Nutzerzahlen des Videoportals schwanken – je nach Quelle – irgendwo zwischen 83 Millionen Besuchern im Monat und 150 Millionen Videoabrufen täglich. Das sind Zahlen, bei denen so manchem TV-Senderchef die Tränen kullern dürften. Video im Netz hat sich dank YouTube und ähnlichen Angeboten wie MyVideo, Sevenload, DailyMotion und Vimeo als Alternative zum Fernsehen etabliert. Und das, obwohl dort hauptsächlich Amateur-Content zu sehen ist. Wenn die Portale wie Hulu, das neue MSN Movies und das geplante Spielfilm- und Serienangebot auf YouTube auch Kinofilme und beliebte TV-Serien ins Netz bringen, könnte das Internet dem Fernsehen noch erheblich mehr Zuschauer (und Einnahmen!) stehlen.

YouTube und Co. haben aber auch das Nutzerverhalten verändert: Download ist out, Streaming ist in. Das halblegale Anschauen von Videos, ohne sie auf dem eigenen Rechner zu speichern, wird beliebter. Es spart Zeit und mindert bei illegalem Material das Risiko, rechtlich belangt zu werden.

Und gleich noch eine dritte Revolution geht auf die Kappe von YouTube: MP3s werden zunehmend passé, seit man sich fast jedes Musikvideo online anschauen und seine Musik auch auf YouTube anhören kann. Hier heißt die Zauberformel ebenfalls: streamen statt besitzen. Inzwischen hat sich YouTube mit den Plattenfirmen und hierzulande der Gema geeinigt: Die Interpreten der Videos erhalten Einnahmen für jedes gespielte YouTube-Video.

Finanziell ist YouTube für den Betreiber Google bislang ein Fiasko – die Kosten dürften die Einnahmen um das Vier- bis Fünffache übersteigen. Aus Anwendersicht aber, und da legen wir uns hier fest, ist YouTube die wichtigste Erfindung des Web-2.0-Zeitalters.

Kleine Erfindung mit viel Potenzial: Tagging

TagcloudWie das Web endlich besser durchsuchbar gemacht wird, hat Tagging gezeigt, das einfache Verschlagworten von Beiträgen, Audios oder Videos. Erst durch eine genaue Bezeichnung des Inhalts werden Videos auf YouTube überhaupt auffindbar, werden wichtige Themen durch so genannte Tag Clouds darstellbar. Tagging ist eine nicht zu unterschätzende Entwicklung auf dem Weg zum semantischen Web, wo es möglich sein wird, in jedem Medium (auch Videos und Audio-Files) das zu finden, was immer man sucht.

Ein Trend fliegt um die Welt: Twitter, Del.icio.us, Digg und Co.

TwitterbirdÜber die Qualität der Beiträge auf Diensten wie Twitter, Mr. Wong, Yigg oder Del.icio.us lässt sich trefflich streiten. Dem kritischen Betrachter muss es bei den Inhalten zuweilen vorkommen, als würde hier ein Porsche nur zum Einkaufenfahren benutzt. Denn von fraglichen Sensationsmeldungen über Spinnen im Weltraum oder Videotipps über vermeintliche Traumfrauen einmal abgesehen, verbirgt sich hinter diesen Tools die Möglichkeit, einen Trend oder eine Sensationsmeldungen in Minutenschnelle um die ganze Welt zu schicken. Bei der Geschwindigkeit mögen Instant Messenger und Telefon noch schneller sein; sie erreichen aber nicht annähernd die Masse an Lesern und Zuschauern, die Twitter, Digg und Co. erreichen. Eine gigantische Möglichkeit, die leider mangels wichtiger Themen zum Boulevardhansel verkommt.

Das ganze Wissen der Welt in einem Portal: Wikipedia

WikipediaWo wären wir heute ohne Wikipedia? Die Online-Enzyklopädie schlug schon wenige Jahre nach dem Start im Jahr 2001 althergebrachte Nachschlagewerke wie die Encyclopedia Britannica beim Umfang und steht der Profi-Konkurrenz in Sachen Qualität in nichts nach – in der Aktualität der Einträge sowieso nicht. Ob für das Schulreferat, den Matheunterricht und sogar das Studium und den Journalismus: Wikipedia gilt, wenn auch nicht als das verlässlichste und grenzenlos objektive Nachschlagewerk, dann wenigstens als erste Anlaufstelle. Hier kann man sich einen Überblick über nahezu jedes Thema verschaffen und dann weiter recherchieren. Erst mit Wikipedia verdient das Internet seinen Ruf als seriöses, umfassendes und weltweites Nachschlagewerk.

Am Schreibtisch um die Welt reisen: Google Earth mit Mashups

Google EarthMal eben schauen, wie es in Sydney, New York oder auch der Heimatstadt von oben aussieht, und das in wenigen Sekunden. Das hat Google Earth möglich gemacht. Das Kartenmaterial wird in regelmäßigen Abständen aktualisiert und via Breitband-Internet gestreamt. Mehr als ein Spielzeug wird Earth vor allem dank der integrierten Mashups wie: einem Entfernungsmesser, verorteten Fotodatenbanken (Panoramio) und Informationsquellen (wie Tageszeitungen, Wikipedia, YouTube). Google Maps und auch die Konkurrenz von map24 bis Microsofts Live Search Maps haben die Navigation in Städten und die Routenplanung erheblich vereinfacht.

Offen für alles: APIs

Yahoo PipesOffene Programmier-Schnittstellen (APIs) machen Mashups erst möglich: die Kombination zweier oder mehrerer 2.0-Tools zu einem neuen. Daraus sind zum Beispiel Nachrichtenaggregatoren wie Del.icio.us, intelligente Suchfunktionen bei YouTube oder eine Routenplanung für Google Maps entstanden. Mit Yahoo Pipes etwa kann man auch ohne Programmier-Erfahrung sein eigenes, kleines Mashup erstellen. zum Beispiel einen RSS-Feed (s.u.) von Spiegel Online, der nur Nachrichten über Berlin zulässt. Als Anwender nimmt man APIs nur nebenbei wahr, aber für die Weiterentwicklung des Internets werden sie noch eine wichtige Rolle spielen.

Auf fast alles eine Antwort: Lycos IQ und Yahoo Answers

Lycos IQIm Prinzip eine feine Sache: Dort wo Suchmaschinen und auch Nachschlagewerke an ihre Grenzen stoßen, setzen Frage-Antwort-Portale an. Wer eine brennende Frage hat, stellt diese einfach auf einem Portal wie Lycos IQ oder Yahoo Answers. Zahlreiche, hoffentlich kluge, Leser sehen die Frage und geben eine qualifizierte Antwort darauf. So die Theorie. Es ist das einzige, was das veraltete Suchportal Lycos noch am Laufen hält. Fragen und Antworten sind aber leider oft mäßig, weil sich echte Experten eher an der Uni oder ihrem Arbeitsplatz tummeln, wo sie für ihr Wissen bezahlt werden. Im Prinzip aber eine wichtige Sache, die das Wissen der Welt noch weiter vereint und das Streben nach Antworten ergiebiger macht.

Trotz allem: Weblogs

WordPressBlogs dürften bei der Geburtsstunde des Web 2.0 das Licht der Welt erblickt haben. Kaum ein anderer Begriff wird so häufig mit Web 2.0 in Verbindung gebracht wie die Online-Journale. Genauso wichtig wie die Möglichkeit, dass jeder nun zum Beispiel mit Blogger.com oder WordPress die Möglichkeit hat, seinen Senf im Internet dazu zu geben und genauso wie einige vorher wenig bekannte Journalisten das Medium par Excellence nutzen, um erst bekannt zu werden. Genauso laut ist auch das Rauschen, dass die Masse der Blogger von sich gibt. Weiterverlinkungen, Zusammenfassungen ihrer langweiligen Erlebnisse, die Reproduktion von Nachrichten, die sie auf Online-Magazinen gefunden haben. Viel Kreatives kam bei Bloggern in letzter Zeit nicht herum. Trotzdem: Die einfache Möglichkeit, sich frei zu äußern und damit theoretisch von jedem Erdenbürger gelesen zu werden, das ist der Gedanke des freien Internets in seiner ursprünglichsten Form. Dass Blogs trotz Video- und Audio-Portalen überlebt haben, dürften sie auch ihrer Möglichkeit verdanken, andere Medien wie Videos, Newsfeeds, Bilder, Podcasts oder Twitter-Meldungen zu integrieren. Blogs sind Web 2.0, wie es leibt und lebt.

Nachrichtenticker der Welt: RSS-Feeds und -Reader

Google ReaderFür Medienjunkies: Seit das Breitband-Internet mit zeitunabhängigen Flatrates für fast jeden Haushalt verfügbar ist, erleben Nachrichtenwebsites wie Spiegel Online, handelsblatt.com oder die reinen Internetmagazine netzeitung.de und golem.de einen enormen Zulauf. Mit RSS-Feeds müssen eifrige Leser die Seiten nicht mehr einzeln besuchen, sondern können sie sich auf einen eigenen Feedreader schicken lassen. Der Vorteil – alle Nachrichtenquellen sauber sortiert in einer Software, die einem Mailprogramm ähnelt – ist gleichzeitig der Nachteil: Der Nachrichtenfülle kann kaum noch jemand Herr werden. Nachrichten-Filter für RSS sind leider noch nicht patentiert. Als Tool für umfassende Recherchen ist ein Feedreader aber ein enormes Tool: Erstmals ist es jedem Menschen möglich, wie ein Journalist fast alle Nachrichtenquellen der Welt im Blick zu haben. Das hat es in der Geschichte der Menschheit noch nicht gegeben. Schade, dass der Mensch für diese Informationsfülle offenbar nicht geschaffen ist.

Alle meine Freunde und E-Mail 2.0

FacebookJa, und natürlich haben wir sie nicht vergessen: Soziale Netze wie Xing, StudiVZ und Facebook. Die Möglichkeit, mit seinen Freunden und Bekannten auf der ganzen Welt in Kontakt zu bleiben und sich nicht mehr aus den Augen zu verlieren, ist aber ebenso nützlich wie schnell ausgereizt. Irgendwann kennt man alle Details der Freunde, lernt kaum noch neue kennen und besucht die Netzwerke immer seltener. Nicht umsonst muss sich Facebook deswegen mit Zusatzfunktionen wie Apps und einem Mini-Feed ständig neu erfinden. Die Nachrichtenfunktion der Netze bietet aber eine erfrischende Alternative zur Spam-versuchten E-Mail. Hier sind Nachrichten noch Nachrichten. Als Spam-freie Alternative bietet sich hier nur noch Googles nach wie vor unerreichter Maildienst Googlemail an.

Top-Fotos aus aller Welt: Flickr

Wir haben lange hin und her überlegt, ob die Fotocommunity nun wirklich zu den entscheidenden Entwicklungen des Web 2.0 gehört. Aber wenn YouTube eine ist, dann ist Flickr auch eine: Riesiger Foto-Bestand aus aller Welt, gute Vernetzung, ein Brunnen kreativer Ideen. Foto-Portale gab es auch schon zu Web-1.0-Zeiten, aber Flickr hat der Fotografie neues Leben eingehaucht und damit elegant auf den weltweiten Boom der Digitalkamera reagiert. Oder wo würden Sie sonst ein Foto wie dieses hier von Stella Brazil finden?

Flickr Foto

Online-Spiele für jeden oder gegen jeden

MiniclipComputerspiele sind komplex, grafikhungrig und gehören auf die Konsole? Nicht mehr zwingend. Gerade einfache Spiele, die nicht gleich eine Hochleistungs-Grafikkarte erfordern, wurden in den letzten Jahren immer beliebter. Mehr noch, sie laden inzwischen alle Bevölkerungsschichten zum Spielen ein, Junge, Alte, Männer, Frauen. Ohne sich lange in eine aufwändige Spielewelt einarbeiten zu müssen, kann jeder einfache Casual Games spielen, wie sie unser Spiele-Tester Rob Bubble jede Woche vorstellt. Auch hier spielt die Internet-Flatrate ihren Vorteil aus: Das Spielen macht doch gleich viel mehr Spaß, wenn man dabei nicht auf die Uhr schauen muss. Aber auch für eingefleischte Spielefans bietet das Web 2.0 Vorteile. Multi-Player-Online-Games wie World of Warcraft wären ohne das Internet und Breitbandzugang nicht möglich. Schöne, neue Spielewelt!

Das war sie, unsere Positivauswahl. Haben wir etwas Wichtiges vergessen? Dann melden Sie sich bitte an redaktion@yuccatree.de oder schreiben Sie einen Kommentar. Oder warten Sie die zweite Hälfte unseres Beitrags ab, der kommende Woche folgt: Die meist überschätzten und weniger wichtigen Erfindungen des Web 2.0. Vielleicht ist da etwas dabei, was Sie nicht erwartet hätten.

jv

Ein Gedanke zu „Die 12 nützlichsten Erfindungen des Web 2.0“

Kommentare sind geschlossen.