Ideen zu verschenken: Das ganz persönliche Webradio

Es gibt gibt gute Podcasts im Web, aber meistens ohne Musik. Und es gibt personalisierte Webmusik, aber ohne Wortbeiträge. Könnte man das nicht kombinieren?

Das analoge Radio hat Probleme. Zu geringe Einnahmen, die Musik zu sehr Mainstream, die Kosten zu hoch, die Technik veraltet. Beim Privatradio leidet zusehends die Qualität der Wortbeiträge, die Musik kommt einfach vom Band, die Betreiber schielen zu sehr auf die Rendite und vermischen vielfach Redaktion und Werbung. Aber auch dem öffentlich-rechtlichen Radio laufen die Zuhörer davon, denn das Internet hat sich als Alternative etabliert. Musikdienste wie tube.tv, last.fm oder 8tracks spielen die Lieblingshits oder die gewünschte Musikrichtung kostenlos, ohne dass man die Songs herunterladen muss. Stundenlanges Musikhören ist damit möglich. Aber es fehlt noch etwas: Wortbeiträge, Comedy, Nachrichten, Reportagen, Kommentare und Interviews.

Podcasts als Lösung?

Dabei gibt es so etwas im Web längst: Wortbeiträge in Form von Podcasts, die zum großen Teil von Amateuren stammen: Die privaten Radiomacher analysieren das Tagesgeschehen, machen Interviews oder erzählen einfach, was ihnen so passiert ist. Das ist mal mehr, mal weniger professionell. Nur eins können die privaten Podcaster meist nicht: die Beiträge mit ihrer Lieblingsmusik vermischen. Denn was die Rechteverwertungsgesellschaft GEMA an Gebühren dafür verlangt, ist den meisten privaten Podcastern zu viel.

Aber auch die etablierten Radiosender machen Podcasts: Serien und Comedy finden sich auf iTunes oder im Web ebenso wie interessante Promi-Interviews und Lifestyle-Tipps. Deutschlandradio stellt gelungene Radioreportagen und Interviews als Download oder Livestream zur Verfügung. Podcasts, von Amateuren wie von Profis, haben sich eine beachtliche Fangemeinde erspielt, nur fehlt bei ihnen auch wieder eines: die Musik.

Das personalisierte Programm

Und nun die Idee einer Lösung, von der wir technisch vielleicht gar nicht mehr so weit entfernt sind. Nur rechtliche Schranken erschweren die Umsetzung: Es müsste einen Webdienst geben, mit dem sich jeder Hörer sein eigenes Radioprogramm zusammenstellen kann. Das Programm besteht aus 3 Töpfen, aus denen sich jeder nur das und nur so viel holt, wie er möchte:

Topf 1 enthält die Musik. Hier kann der Hörer entweder seine eigene Playlist nehmen, sich eine neue Playlist zusammenstellen oder – wie z.B. bei Last.fm – eine Musikrichtung wählen.

Topf 2 enthält alles was keine Musik ist: Straßeninterviews, Comedy, Vor-Ort-Berichte aus der Region, Reportagen, Nachrichten, Kommentare, …

Topf 3 enthält Werbung, die das ganze finanziert.

Welche Musik er hört, ob es kurze oder lange Beiträge sein sollen, wie viel Musik und wie viele Beiträge innerhalb einer Stunde gesendet werden sollen, kann der Nutzer frei wählen. Nur Topf 3, die Gesamtdauer der Werbung innerhalb einer Stunde, kann er nicht beeinflussen. 10 Minuten pro Stunde sollten bei der Werbung aber das Äußerste sein. Dafür könnte der Dienst lokale Werbung senden.

Wer könnte das realisieren?

In Sachen Personal und Kapital wären die öffentlich-rechtlichen Radiosender dazu sicher am besten in der Lage. Sie haben Redakteure und Reporter, die für Wortbeiträge sorgen, und ein GEMA-Zahlungsmodell für die Musik, das “nur” noch für das Internet angepasst werden müsste. Weitere lokale Beiträge könnten sie sich in Form von Kooperationen von privaten Lokalsendern holen. Das Problem für die Öffentlich-Rechtlichen ist aber hauptsächlich der Rundfunkstaatsvertrag, der größere Aktivitäten im Web nicht zulässt. Das GEMA-Modell wäre außerdem gefährdet, wenn jeder Musikgeschmack repräsentiert wird und damit deutlich mehr Musik zur Verfügung stehen muss – was wiederum höhere GEMA-Kosten verursachen würde.

Darum wären Dienste wie Last.fm oder Startups wie 8tracks vielleicht sogar eher dazu in der Lage, das Projekt zu stemmen. Musikrechtlich scheinen sie sich zumindest mit den größten Plattenfirmen geeinigt zu haben. Sie brauchen also “nur” noch geeignete Technik – und Wortbeiträge. Am preiswertesten könnten sie diese Beiträge von solchen Podcastern beziehen, die sich in 90 bis 180 Sekunden radiogerecht kurzfassen und spannende Beiträge liefern können. Podcaster könnten hierfür ein Netzwerk bilden. Auch die Startups könnten mit Privatradios kooperieren, wenn sie es schaffen, die Werbe-Einnahmen gerecht unter sich aufzuteilen.

Fazit

Das personalisierte Webradio ist technisch umsetzbar, die Schwierigkeiten sind eher rechtlicher Natur. Betreiber müssen es mit Kooperationen versuchen. Ein Programm, bei dem jeder Hörer nur die Musik und die Beiträge hört, die er möchte, könnte dem altgedienten Medium Radio neuen Schwung verleihen. Die Idee ist da, jetzt muss sie nur noch jemand umsetzen…

jv

3 Gedanken zu „Ideen zu verschenken: Das ganz persönliche Webradio“

  1. Auf http://www.radio.de werden schon klassische Radiosender und Podcasts zueinander empfohlen. Zwar sind die Inhalte noch nicht vollständig personaliserbar, aber wer weiß, was geplant ist.

    MB

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