Musiksender goes Internet: Ein Nachmittag mit tape.tv

Was früher einmal auf MTV lief, Musikvideos nämlich, findet man inzwischen im Internet. Der Clue sind dabei Dienste, die nicht nach einem Video ruhig sind, sondern immer weiter Musik spielen – wie ein Musiksender eben. Hier bietet tape.tv seit Anfang Juli ein genauso einfaches wie durchdachtes Konzept. Eine schlichte, schwarze Seite mit kaum mehr als einem Flash-Player für Videos in der Mitte. Darüber ein kleiner Schaltkasten, der sich nach einiger Zeit ausblendet. Während im Hintergrund die Videos eingestreamt werden, kann man mit diesem Schaltkasten lauter und leiser stellen, zum nächsten Video vorspielen, das Lied direkt kaufen oder einen Künstlernamen eingeben, dessen Video man lieber sehen würde. Der Zuschauer wird also selbst zum Programmdirektor seines eigenen MTV.

Es geht direkt los, ohne Registrierung und ohne lästige Klicks, die erst zum Angebot hinführen. Nach jedem dritten Video wird ein kurzer Werbefilm eingespielt – was das Gefühl verstärkt, man säße nicht vor dem Rechner, sondern gemütlich vor dem Fernseher. Die Qualität der Videos ist hoch, weil die Macher aus Berlin das Material direkt von den Plattenfirmen bekommen.

Hat das ganze auch Nachteile? Ja, denn die Musikauswahl ist bislang auf rund 12.000 Videos begrenzt. Bei unserem Test liefen uns die gleichen Künstler und Videos immer wieder über den Weg, was uns in Versuchung führte, den Test abzubrechen und bei YouTube nach Abwechslung zu suchen.

Das kann man, denn tape.tv ist nicht der einzige Dienst seiner Art. Last.fm bietet weit mehr Musik, wenn man sie nur hören will und auf das Video verzichten kann. Der neue Videodienst von last.fm erinnert dafür mehr an YouTube und bietet Einzelvideos ohne MTV-Gefühl. Yahoo Musik geht einen Schritt weiter, spielt fünf willkürlich gewählte Videos in Reihe hintereinander und fängt dann wieder von vorne an. Das scheint nicht ganz zuende gedacht zu sein.

An der Benutzerfreundlichkeit von tape.tv führt derzeit wohl kein Weg vorbei. Der einzige, der es besser machen könnte, ist MTV selbst. Der Musiksender hat angekündigt, noch im Sommer einen eigenen Musikdienst fürs das Web zu starten. Wie der aussehen soll? Das sind sich die MTV-Bosse selbst noch nicht einig. Bis dahin bleibt es beim aktuellen Zwischenstand: 1:0 für tape.tv.

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